Kleinwüchsigkeit und was ist die Ursache ?

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    • Hallo Chris,

      sehe ich auch so. Daher auch meine Parallele zur Verbuttung, welche ja ebenfalls Ursachen in der Nahrungskonkurrenz hat.
      Viele Grüße
      Lutz


      Es gibt Wirklichkeiten, die selbst vom Fernsehen nicht totzukriegen sind.
      (Hans Bernhard Schiff, 1915-1996)
    • Guten Abend

      Irgendwie scheint das ganze ja nur ein Zucht und Vermehrungsproblem in Gefangenschaft zu sein.
      Man muss bedenken das diese Fischart nicht so wie höhere Säugetiere bedingt nur wenige bis nur ein einzelnen Nachkommen zeugen sondern mehrere Dutzend bis hin zu ein paar Tausend.
      Eine gewisse Quote solcher abnormalen Individuen könnte auch in der Natur durchaus wie im Aquarium konstant sein aber durch die wesentlich geringere Chance die sexuelle Reife zu erreichen und diese Kleinwüchsigkeit gezielt weiter zu vererben sind diese in der freien Wildbahn eher zu vernachlässigen.
    • Hallo,

      ich vermute, daß die Kleinwüchsigkeit mit der Ernährung der Larven/Jungfische zusammenhängt.
      Die meißten Cichliden sind vordergründig im Vergleich zu einigen anderen Fischen kinderleicht aufzuziehen: Groß genug für Artemia, meist muß das Futter nicht mal leben, sie sind mit einem Dottersack ausgestattet, der erst mal über das gröbste weghilft und sie können essentielle Fettsäuren, hauptsächlich HUFA, selbst generieren. Diese HUFA finden sich z.B. in Fischöl, Detritus, Algen und diversen Mikroorganismen wie Cyclops und Rotatorien. Es gibt Fische die zum großwerden darauf angewiesen sind mit HUFA (Highly Unsaturated Fatty Acids, also vielfach ungesättigte Fettsäuren) extern versorgt zu werden, da selbst produzieren zu viel Energie kostet. Die Larven fressen dann und verhungern dabei. Energie kostet das auch die vergleichsweise robusten Cichlidenlarven nur verhungern sie nicht sondern wachsen nur schlechter. Wie dann jeder einzelne Fisch damit klarkommt ist denke ich individuell. Einen Vorteil werden die haben, die sich neben dem Angebotenen Futter vermehrt nach Detritus, Cyclops, Rotatorien... im Aquarium umgucken. Da sind die benötigten Stoffe drinnen und das wäre auch die natürliche Nahrung, nicht nur für Jungfische und das gibt es in jedem Aquarium. Nur eben nicht in ausreichender Menge um eine Horde Großer Cichliden aufzuziehen. Und bei Zwergcichliden ist mir das Problem Kleinwüchsigkeit nicht bekannt.

      Dem Problem kann man begegnen:
      Aus Fischöl und Eigelb als emulgator eine Majo machen und damit Artemien boosten, falls keine lebenden Artemien zum einsatz kommen Linsen ohne Salz so lange kochen bis sie pampig sind, die Majo drunterrühren, trocknen lassen und das ganze zerbröseln

      Schwebealgen züchten und zum Boosten verwenden

      Ein kleines Aquarium hell stellen, Laub, Wasserasseln und Javamoos rein. Mit der Zeit floriert dadrin das Leben und bestes Detritus entsteht, durch das Javamoos sind Cyclops und Muschelkrebse dazugekommen die sich ohne Fressfeinde vermehren. Jetzt muß man nur noch morgends etwas von dem Moos zu den Jungfischen tun und sie haben zu Fressen. Mit drei-vier Portionen Moos kann man so täglich zwischen Aquarium und Detritusbehälter hin und her wechseln und hat ohne große Mühe bestes Kleinfutter. Das ersetzt allerdings nicht zusätzliche Fütterung.
      Ich habe eine Glanzwurmzucht die ordentlich Detritus Bodensatz hat. Für diesen Schmodder lassen meine Corydoras similis die Glanzwürmer links liegen und der im selben aquarium Wohnende Polycentrus schomburgki spuckt Teile von dem Schmodder die er gefressen hat nicht wieder aus. Fall es interessiert, das habe ich mal gefilmt, will aber keinen YT Kanal . Auf anfrage versende ich die Daten.

      Gruß, helmut
    • Servus Helmut,

      ein interessanter Ansatz.
      Hattest du eigentlich schonmal ein Problem mit ranzigem Fischöl? Meine mal gehört zu haben, dass das recht schnell ranzig werden kann und dann problematisch in der Verwendung ist.

      Aber es steht ohne Zweifel - dass im Vergleich zur Brut von diversen anderen (meist kleinen) Fischarten - eine Cichlidenbrut recht leicht zu handhaben ist. Lebende Artemia-Nauplien sind da schon das höchste der Gefühle - aber die sollten es auch sein - habe damit wesentlich bessere Erfahrungen gemacht als mit dekapsulierter Ware, was wohl auch auf die bessere Qualität der Lebendware zurückzuführen ist.
      Man liest ja immer mal wieder, dass Ausschussware industriell dekapsuliert und dann verkauft wird - also Eier aus denen nie etwas schlüpfen würde.

      Was diesen "gesunden Schmodder" angeht - habe auch schon festgestellt, dass sich die Glanzwürmer aus Eigenzucht ganz besonders gut auswirken, also besser als "Zoohandelsware" und die Fische sich super damit entwickeln. Muss mich nur noch herantasten, wie viele Würmer ich aus der Kultur regelmäßig entnehmen kann, hast du da eine Faustregel?

      Viele Grüße
      Chris
    • Hallo Chris,

      ranzig ist bei mir noch nichts geworden. Ich nehme (eigentlich habe genommen) z.B. solche Kapseln, die sind meist um die zwei Jahre haltbar. Ein Kumpel verfüttert sie ungeöffnet so wie sie sind an Grindal, das dauert zwei Tage bis alles gefressen ist, flutet dann die Zuchtschale, siebt die Grindal ab und verfüttert sie. Im Substrat (Seramis) bleiben genug Grindal übrig um sich zu vermehren, die füttert er wieder ein-zwei Wochen mit Haferflocken, dann sind genug enthalten, die bekommen wieder Fischöl, werden dann geflutet... usw. Das hält nebenbei auch den Ansatz sauber.

      Ein anderer der Süßwassernadeln züchtet ( stell dir hier 10 sich verneigenden Smileys vor) gibt ab und wann einen Tropfen Fischöl auf die Wasseroberfläche seiner Daphnienzucht. Wenn Süßwassernadeln bei der hauptsächlichen Fütterung mit Daphnien klappen scheint das was zu bringen.

      Ich selbst verwende kein Fischöl mehr, da ich per Detritusansätze und Schwebealgenkulturen (sehr wertvoll, damit lassen sich Dapnien und Rotatorien füttern und boosten) genug andere Möglichkeiten habe die Fische mit essenziellem zu versorgen. Und wie du bemerkt hast, sobald die Mikroflora/Fauna in Schwung gekommen ist wird das Futter ganz von selbst wertvoller. Faustregeln für die entnahmemenge habe ich nicht, da muß man je nach Ansatz selbst ein Gefühl für entwickeln.

      Gruß, helmut
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    • Hallo,

      ich halte ebenfalls das Futter für die Ursache von Kleinwüchsigkeit - neben der Qualität vor allem auch die Menge in der Haupt-Wachstumszeit. Dazu 2 Beispiele:

      - Züchter geben verkaufsfertige Jungtiere an den Großhandel ab - in der Regel so früh wie möglich. Die Tiere müssen nur gut aussehen und überlebensfähig sein. Ab dem Moment wird die kontinuierliche Nahrungszufuhr unterbrochen. Es kommt zum Wachstumsstop. Während viele Züchter sagen, die Jungtiere müssten "im Futter stehen", geht es im Handel nur darum, sie am Leben zu erhalten. Auch beim Endkunden werden sie verständlicherweise nie wieder rund um die Uhr fressen können.

      - Ich habe vor 25 Jahren gewerbliche Diskuszüchter kennen gelernt, die ihre etwa 4-5 cm großen Jungtiere an spezialisierte "Mäster" abgaben. Dort wurden die jungen Diskus dann in wenigen Monaten bis zur Größe von etwa 15 cm gefüttert. Mit dann 15 cm sahen die Diskus absolut top aus. Die Züchter sagten, sie selbst würden das in der Art nicht hinbekommen. Bei ihnen würden die Diskus in der gleichen Zeit nicht so stark wachsen, nicht eine so schön runde Körperform bekommen und sie hätten auch mehr Ausfälle.

      Gruß,
      Dirk
    • Die Beckengröße wirkt sich direkt vermutlich kaum aus. Indirekt aber vermutlich über eine schlechtere Wasserqualität und stärkere Belastung durch schwankende Wasserwerte.

      Vor etwa 20 Jahren habe ich mal einen Astronotus bekommen. Der kam aus einem 100 l-AQ und war ca. 30 cm lang.
      Der wurde von einer Oma gehetschelt. Jeden Morgen 2 Eimer frisches Wasser, bestes Futter und sonst keinen Stress. Das ist für mich immer das klassische Beispiel dafür, dass sich Fische eben nicht (in einem sinnvollen Rahmen) an die AQ-Größe anpassen. An dem Becken lief ein relativ großer Topffilter.
      Er hatte wohl halbwegs ordentlich Wasserbedingungen
      Gruss
      Jan

      Twitter is eine typische Erscheinung der Generation ADS & SMS. Für einen Brief zu faul, für einen kompletten Satz zu dumm und für korrekte Grammatik zu cool.
    • Moin, moin,

      jan.s schrieb:


      Das ist für mich immer das klassische Beispiel dafür, dass sich Fische eben nicht (in einem sinnvollen Rahmen) an die AQ-Größe anpassen.
      ich habe mal von einem Experiment gelesen, in dem zwei Karpfen in zwei winzigen Becken aufgezogen wurden. Einer mit ständiger Frischwasserzufuhr, der andere ohne. Letzterer wurde nicht annähernd so groß wie sein Kollege, der mehr oder weniger das ganze Becken ausfüllte.
      Gruß Daniel

      :bild:
    • Hi,

      mir fällt zu dem Thema noch ein ganz anderer Ansatz ein.
      Schlechtes Umsetzen von Futter in Wachstum durch Belastung oder Schädigung der inneren Organe. Das fängt bei Parasiten an und endet bei verfetten Organen wegen Überfütterung.
      Zum guten Verwerten des Futters gehört auch eine Haltung in artgerechter Temperatur.

      Die Wasserqualität wird aber sicher an erster Stelle stehen.
      Viele Grüße
      Lutz


      Es gibt Wirklichkeiten, die selbst vom Fernsehen nicht totzukriegen sind.
      (Hans Bernhard Schiff, 1915-1996)
    • Hallo Daniel,


      MrR schrieb:

      ich habe mal von einem Experiment gelesen, in dem zwei Karpfen in zwei winzigen Becken aufgezogen wurden. Einer mit ständiger Frischwasserzufuhr, der andere ohne. Letzterer wurde nicht annähernd so groß wie sein Kollege, der mehr oder weniger das ganze Becken ausfüllte.
      Da gab was in einem Buch für Nutzfischzüchter aus den 50ern mit Karpfen als Besatz. Dabei ging es um Massezuwachs mit Wirbelbettfilter und ohne. Die Karpfen hatten abartigen Massezuwachs in vergleichsweise winzigen Kunststoffwannen. Meinst du das? Das gibt es auch irgendwo im Netz als PDF. Ich finde es aber nicht mehr. Falls das jemandem bekannt vorkommt und weiß wo die abhandlung zu finden ist, bitte melden.

      Gruß, helmut
    • <p>Hallo,</p><p>Gute Wasserqualitätist meines Erachtens fast wichtiger wie die Fütterung. Natürlich soll auch ausreichend gefüttert werden...</p><p>Ich habe gerade eine Brut Geophagus aufgezogen, anfangs täglicher WW später dann 2x die Woche. Hat den Kleinen sehr gut getan.</p><p><br></p><p>Gruß Schorsch</p>
    • moskal schrieb:

      Falls das jemandem bekannt vorkommt und weiß wo die abhandlung zu finden ist, bitte melden.
      Hi,

      Hier

      Jedoch ist m.E. die Filterung nur ein Mittel, die Sauerstoffsättigung zu gewährleisten, um bei recht hohen Temperaturen den Stoffwechsel anzuheizen - Stichwort Dmpfzucht.
      Viele Grüße
      Lutz


      Es gibt Wirklichkeiten, die selbst vom Fernsehen nicht totzukriegen sind.
      (Hans Bernhard Schiff, 1915-1996)