Nomenklatur - wie wird der Fisch richtig geschrieben.

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    • Nomenklatur - wie wird der Fisch richtig geschrieben.

      Hallo zusammen,

      ich weiß, es geht kaum noch trockener und ist für die Allermeisten völlig uninteressant. Suchtgefahr besteht nicht, aber mich hat es einfach einmal interessiert, wie schreibe ich eigentlich die Fischnamen richtig.
      Da gab es in der Vergangenheit schon einmal einen Thread vom Markus ->Ein kleines bisschen Theorie zur Nomenklatur

      nur dies meine ich nicht, mir geht es um folgendes. Wir hatten doch die Diskussion der Amatitlania - Gattung - > -180x60x60-Mittelamerika-was-würde-noch-gehen.

      Nelson ( Michael ) schrieb:

      Gattung = weiblich so auch Art = weiblich
      Amatitlania = weiblich so auch septemfasciata
      so kenn ich das.
      und die Antwort

      Mr.Dovii ( Peter ) schrieb:

      Nein Michael, so einfach wie du das darstellst, ist das leider in der Nomenklatur nicht!
      Lies es bitte einfach mal nach.

      Vor allem wenn der Artname älter ist als die Gattung...
      nun ja dies hat mich doch einige Stunden Lesen, trockenes Lesen gekostet.
      Eigentlich wollte ich dazu nichts mehr sagen oder schreiben.
      Aber schauen wir uns zunächst einmal die Gattung Amatitlania an. Diese wurde erstmal 2007 von Schmitter - Soto erstellt mit dem alten Bekannten Heros nigrofasciatus, auch schon seit 150 Jahren beschrieben.
      Er wurde immer wieder in neue Gattungen verschoben ->
      • Heros nigrofasciatus ( Günther 1867 ) / männliche Gattung
      • Archocentrus nigrofasciatus / männliche Gattung
      • Cichlasoma nigrofasciatum / sächliche Gattung -> Veränderung in ( um )
      • Cryptoheros nigrofasciatus / männliche Gattung
      • Amatitlania nigrofasciata / weibliche Gattung -> Veränderung in ( a )
      somit hat Schmitter - Soto alles richtig gemacht, seine eigenen erstmals beschriebenen Arten Kanna und Siquia enden von vornherein in der Gattung mit der Endung ( a ) also weiblich.
      Somit hat wohl unser Michael Recht, denn diese Schreibweise wird sowohl in der DCG ( siehe Artikel von Rico Morgenstern in der Juli-Ausgabe ) sowie auch bei der IAG verwandt.
      Doch keine Regel ohne Ausnahmen, dies gilt nicht für Arten, welche Persönlickeiten zugeordnet sind. Hier sind doch die Vieja - Arten das beste Beispiel, enden alle mit a da weibliche Gattung bis auf Regani und Breidohri. Aber hierzu habe ich bei meiner Suche einen sehr guten Artikel gefunden, welcher auch für Leute wie mich, lesbar und verständlich sind.

      Link

      Kurzauszug dieses Artikels

      Sieben Tage schrieb:

      Veränderungen
      Wenn die Art bei einer taxonomischen Neuordnung (Revision) in eine andere, möglicherweise neu aufgestellte, Gattung verlegt wird, so bleibt das Artepitheton erhalten, es sei denn es stellt sich im Verlauf der Revision heraus, daß ein anderes vorrangige Gültigkeit hat. Das Artepitheton wird nur gegebenenfalls im Geschlecht an den Gattungsnamen angepasst. vor allem im Intenet, aber auch teilweise in der Literatur, werden zwar die neuen Gattungsnamen recht schnell übernommen, das Artepitheton wird aber nicht immer im Geschlecht an das Nomen angepasst, obwohl es notwendig wäre.
      Handelt es sich bei dem Artepitethon um einen Dedikationsnamen, bleibt er aber gleich: Cichlasoma (neut.) loisellei -> Parachromis (mask.) loisellei oder Cichlasoma vombergae -> Nandopsis vombergae
      Ist das Artepitithon adjektivisch, also um ein Eigenschaftswort, wird es aber im Geschlecht an den Gattungsnamen angepasst. Bei sächlichem (neutrum) Gattungsname wie Cichlasoma endet es auf -um, bei weiblichen (feminin) wie Vieja auf -a und bei männlichen (maskulin) wie Paratheraps auf -us.
      Beschreibt das Artepitheton die terra typica, so endet es bei sächlichen Gattungsnamen auf -se, bei weiblichen und männlichen aber gleichermaßen auf -is.
      Bei substantivischem Artepitheton ändert es sich nicht, auch wenn sich das Geschlechts der Gattung ändert
      Grüsse
      Roland

      DCG 89 2012



      Reden ist Silber und Schweigen ist Gold

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    • Hi Malte,

      wir lernen doch nie aus, egal wie alt wir werden.
      Haben selten zu einem Thema so viel gelesen und jetzt wird mir auch klar, warum der Michael immer zu den Gattungen die entspechenden Hinweise gab.
      Also ich hab wieder eine Menge gelernt und von daher - keine verlorene Zeit, auch wenn es Wenige interessiert. :wink:
      Grüsse
      Roland

      DCG 89 2012



      Reden ist Silber und Schweigen ist Gold
    • Guten Morgen Malte,

      nun ich durfte in den letzten Jahren doch so einiges von Dir lernen.
      Meinen ganz herzlichen Dank an Dich.

      Auch dieses …Nomen oblitum ... und heute gebe ich es weiter. Vielleicht interessiert es doch den Einen oder Anderen.
      Unser Malte hat in einer anderen Diskussion folgendes angemerkt und dies ist auch wissenschaftlich

      Nomen oblitum ,

      und hier hatte er wieder absolut Recht.
      Es gehört zur Nomenklatur und ist seit dem 1.1.2000 gültig und bedeutet nicht mehr und nicht weniger,
      als das " vergessene Namen " aus der Vergangenheit nicht mehr berücksichtigt werden.

      Hierzu sei einmal an die Namensänderung bzgl. der Parachromis - Arten erinnert.
      So hat auch im Jahr 1859 Agassiz die Gattung Parachromis erstellt und auch einen Cichliden beschrieben und er nannte ihn
      Parachromis gulosus. Eigentlich alles richtig gemacht, aber man vergaß diese Artnamens - Gebung und so fand der erst 8 Jahre
      später durch Günter beschriebene Parachromis managuensis seinen Weg.

      Und dabei bleibt es auch.
      Grüsse
      Roland

      DCG 89 2012



      Reden ist Silber und Schweigen ist Gold
    • M a l t e ,

      hör jetzt auf. Jetzt kommst Du auch noch mit Blumen.

      und ja etwas englisch sollten wir doch schon können. .rollroll: Und noch etwas griechisch, latinisch, spanisch und ab und an portugiesisch.
      Grüsse
      Roland

      DCG 89 2012



      Reden ist Silber und Schweigen ist Gold
    • Ja diese Nomenklatur ist schon wieder eine Wissenschaft für sich.

      Hier ein kleines aber feines Beispiel :

      so steht es im CAS


      CAS schrieb:

      melanurus, Heros Günther [A.] 1862:288 [Catalogue of the fishes in the British Museum v. 4; ref. 1969] Lake Petén, Guatemala. Lectotype: BMNH 1864.1.26.82. Paralectotypes: BMNH 1864.1.26.78-81 (4). The specific name melanurus [black tail] is an undeclinable noun. Lectotype designated by McMahan et al. 2011:10 [ref. 33481]. •Valid as Cichlasoma melanurus (Günther 1862) -- (Conkel 1993:146 [ref. 22949] as melanurum). •Valid as Paraneetroplus melanurus (Günther 1862) -- (McMahan et al. 2010:1298 [ref. 31111] as melanura, McMahan et al. 2011:1 [ref. 33481], Paepke et al. 2014:55 [ref. 33351]). •Valid as Vieja melanurus (Günther 1862) -- (Burgess 2000:50 [ref. 24818], Kullander in Reis et al. 2003:646 [ref. 27061], McMahan et al. 2015:216 [ref. 33920] as melanura, Říčan et al. 2016:45 [ref. 34357] as melanura, Robins et al. 2018:400 [ref. 35886] as melanura, Moral-Flores et al. 2018:7 [ref. 36020] as melanura, Morgenstern 2018:263 [ref. 36331]). [b]Current status: Valid as Vieja melanurus[/b] (Günther 1862). Cichlidae: Cichlinae. Distribution: Atlantic Slope: Belize, Guatemala and Mexico; established in Florida, U.S.A; introduced in Singapore. Habitat: freshwater.
      und dazu mit ausdrücklicher Genehmigung Rico´s

      Meine Frage per PN

      Hallo Rico, ich habe da gerade mal eine Frage. Was war der Auslöser, dass aus dem Melanura ein Melanurus wurde. Das warst doch Du wenn ich so ins CAS blicke. Liebe Grüsse Roland

      Seine Antwort

      Es liegt daran dass melanurus als Substantiv behandelt werden muss. Solche Artnamen passen sich in der Endung nicht dem Gattungsnamen an und müssen so wie in der Erstbeschreibung geschrieben werden. In meiner Arbeit über Friedrichsthals Fische ist das alles noch etwas genauer erklärt. Wird leider oft falsch gemacht. Gruß Rico

      und hier sein Papier dazu

      Rico Morgenstern
      Grüsse
      Roland

      DCG 89 2012



      Reden ist Silber und Schweigen ist Gold