Nährstoffmangel und Zeigerpflanzen

    • Nährstoffmangel und Zeigerpflanzen

      Guten Abend und ein frohes Rest-Fest euch allen,

      wie die Überschrift vielleicht verrät, möchte ich euch hier mal nach euren eigenen Erfahrungen und Beobachtungen an Nährstoffmangel-Symptomen fragen und welche Pflanzen sie euch besonders schnell und verlässlich anzeigen.
      Ich denke auch heutzutage, wo es für fast jeden Wasserparameter einen mehr oder minder guten Test gibt, ist es oft trotzdem nicht eindeutig erkennbar welcher Mangel vorliegt. Da helfen "Zeigerpflanzen" doch oft sehr bei der Lösung des Rätsels und man kann ewiges Wasser testen und unnötige Geldausgaben vermeiden.

      Ich bin gespannt auf eure Antworten :)
      Gruß Daniel :wink:

      PFLANZENFRAKTION :top:
    • Hallo Daniel,

      spezzeguti schrieb:

      Ich denke auch heutzutage, wo es für fast jeden Wasserparameter einen mehr oder minder guten Test gibt, ist es oft trotzdem nicht eindeutig erkennbar welcher Mangel vorliegt. Da helfen "Zeigerpflanzen" doch oft sehr bei der Lösung des Rätsels und man kann ewiges Wasser testen und unnötige Geldausgaben vermeiden.
      auch Dir noch schöne Rest - Feiertage.
      Ja das ist eine gute Frage, mir persönlich würde es schon helfen, wenn Du mir sagen könntest welche Faktoren in Bezug auf Pflanzen unerlässlich sind ?
      Meine Pflanzen haben eine Halbwertszeit von sagen wir 6 Monaten.
      Ich habe wohl die Beleuchtung verstärkt, hmm nun habe ich so gut wie keine Algen mehr. Pflanzendüngung wurde von meiner Seite aus eingestellt, denn meine Bubis und Mädel war es letztendlich egal ob gedüngt wurde.
      Grüsse
      Roland

      DCG 89 2012



      Reden ist Silber und Schweigen ist Gold
    • Hi !

      Für die Ernährung von Pflanzen gitb es einige Grundlagen. Neben den Nährstoffen als Energielieferant wie zum Beispiel Nitrat oder Kohlendioxid für das Massenwachstum bzw. als Baustein der Photosynthesereaktion sind die Mengen- und Spurennährstoffe ebenso entscheidend. So zum Beispiel Magnesium als Zentralatom des Chlorophyl, fehlt es an diesem kann die Leistung der Pflanze abfallen obwohl genung "Nahrung" zugefügt wird. Die Liste an Nährstoffen und Spurenelementen ist komplex und Bedarf einiger Einarbeitung.
      Weiteres wichtiges Rädchen in diesem System ist das (Sonnen-)Licht welches den Stoffwechsel der Pflanzen in Gang setzt.

      Für die Aquaristik denke ich, ist es am sinnvolsten auf einen ausgewogenen Haushalt an Nährstoffen und Spurenelementen zu achten, sowie die Beleuchtung einem natürlichen Tagesverlauf ( Zeitpunkt und Intensität) anzupassen.

      Die Erfahrung mit dem "altern" von Pflanzen konnte ich auch machen. Da dies auch Lebewesen sind, die sich gezielt vermehren um ihre Art zu erhalten so "sterben" die Einzelnen individuen auch nach einer Weile. Insbesondere finde ich die Qualität entscheidend. Häufig habe ich schon pflanzen gekauft die im geschäft noch gut aussahen, nach dem säubern der Wurzeln und umsetzen ins Aquarium aber kümmerten oder rasch eingingen. Andere widerum gedeihten super.

      Mangel-Indikator
      Am deutlichsten finde ich das verblassen der Blätter : Dies ist ein deutlicher hinweis auf eine Störung der Chlorphyl-Synthese. Dies entsteht häufig durch den Mangel bereits eines Nährstoffs oder Elements und kann durch zugabe eines Volldüngers ( ich verwende gern Easy-Life ProFito) behoben werden.

      Zeigt eine Pfanze ein intensiv tief dunkel-grün kann auch ein Nährstoffüberschuss ( insb. Stickstoff) vorliegen. Dies führt zum aufweichen der Zellwände und macht die Pflanzen empfänglicher für Schäden.

      Um sich etwas mit den Grundsätzen der Pflanzenernärhung auseinander zu setzen ist das "Liebigsche Minimumgesetzt" ein interesanter anlaufpunkt.


      MFG : Martin
      :mala: +++ :mitt: +++ :sued: +++ :tanganjika:

      MFG : Martin
    • Hi,

      Martin, erstmal danke für diesen doch schon sehr detaillierten Beitrag. Sehr sinnvoll auch dein Hinweis auf das Liebigsche Minimumgesetz als eine der wohl wichtigsten Grundlagen.

      Roland, ich würde das Angebot an Nährstoffen erstmal allgemein wie folgt priorisieren:

      1. Licht
      2. CO2
      3. Makronährstoffe (N, P, K, Ca, Mg)
      4. Mikronährstoffe (Fe, Mn, B, Mo, Zn u.a.)

      Bei gutem Licht sollte also auch gedüngt werden. Wieviel man düngen muss, hängt vom Verbrauch des Beckens ab. Dieser ergibt sich aus der Masse der Pflanzen, ob CO2 zugeführt wird, ob schnellwachsende Pflanzen, wie die Filterung dimensioniert ist (weniger ist mehr) und auch vom Besatz (Stickstoffeintrag übers Futter). Viel Theorie aber im Grunde reicht für den Anfang ein nicht zu schwaches Licht, evtl. CO2, ein Volldünger und ein NPK Dünger. Damit wäre erstmal alles wichtige abgedeckt.

      Ein "Altern" und "Sterben" meiner Pflanzen gibt es eigentlich nicht. Ich muss sie regelmäßig zurückschneiden. Dadurch verzweigen sich die Pflanzen, werden buschiger und die abgeschnittenenen Teile dienen als Kopfstecklinge oder werden abgegeben. So verjünge und vermehre ich die Pflanzen und halte sie zudem optisch in Form. Entsprechendes Wachstum ist dafür natürlich Voraussetzung und das geht nur wenn alle Nährstoffe ausreichend zur Verfügung stehen, siehe Liebigsches Minimumgesetz.
      Gruß Daniel :wink:

      PFLANZENFRAKTION :top:
    • Malawi 123 schrieb:

      Häufig habe ich schon pflanzen gekauft die im geschäft noch gut aussahen, nach dem säubern der Wurzeln und umsetzen ins Aquarium aber kümmerten oder rasch eingingen


      Hallo Martin,

      sehr viele Pflanzen, die im Zooladen angeboten werden, stammen aus Importen aus Süd-Ost-Asien. Dort werden die Pflanzen bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit im Gewächshäusern emers (an der Luft) vermehrt. Nur die Wurzeln stehen im Wasser.

      Diese "Luftblätter" werden abgeworfen, wenn die Pflanzen ins Wasser kommen. Es müssen dann erst submerse Blätter nachwachsen, die anders aufgebaut sind.

      Das ist ein grundsätzliches Problem und hat nichts mit Licht oder Wasserwerten zu tun.

      Zum Thema CO2:

      Pflanzen benötigen zum Wachsen (nicht zum reinen Überleben) Kohlenstoff. Am einfachsten bekommen sie den durch im Wasser gelöstes CO2. Viele Pflanzen sind aber auch in der Lage, Hydrogenkarbonat aufzuspalten (das ist das, was wir als Karbonathärte messen) und sich so mit Kohlenstoff zu versorgen. Dadurch sinkt die Karbonathärte und analog dazu steigt der pH-Wert (teilweise sehr schnell, wenn die Karbonathärte aufgebraucht ist).

      Bei wenigen Pflanzen und häufigem Wasserwechsel kann man diese Wasserveränderung aber vernachlässigen.

      Gruß,
      Dirk
    • Hallo,

      das mit den Anzeigerpflanzen ist von Aquarium zu Aquarium und von Pflanzenkombination zu Pflanzenkombination unterschiedlich. In einem Aquarium bei mir wächst alles bis auf ausgerechnet Anubias bestens. Das ist die einfachste Pflanze im Pott aber bei der kommen durch die anderen anspruchsvolleren aber schnellwachsenden keine Nährstoffe an. In anderen Aquarien ist das anders. Ich denke, es reicht aus, wenn man Mängel zuordnen kann und dann ist es egal an welcher Pflanze, man kann ja reagieren.
      Wo bei mir die Alarmglocken angehen ist wenn eine Pflanze plötzlich einen großen Wachstumsschub hinlegt. Das deutet meist auf überversorgung mit irgend etwas hin und dieses zuviel behindert gerne mal die verfügbarkeit von anderen Nährstoffen. Z.B. bei zu viel Phosphat kann man Eisen ins Becken Kippen wie man will, bei den Pflanzen wird nichts ankommen. Bei einem falschen Magnesium - Calcium verhältnis ergibt sich ein ganz ähnliches Bild. Es ist Eisenmangel der nicht durch zu wenig Eisen sondern durch einen Überhang von etwas anderem, das die aufnahme von Eisen verhindert, verursacht wird.


      Das mit der emers-submers umstellung sehe ich als mindertragisch an. Dauert halt. Blöd wird es nur, wenn man das Aquarium mit emersen Pflanzen vollstopft die in den nächsten Wochen alle Blätter schmeißen und so das Wasser belastet wird. Auch bei submersen Pflanzen kann man nicht davon ausgehen, daß sie in neuer Umgebung nahtlos weiterwachsen. Auch da setzt das Wachstum meist erst mit dem Austreiben von neuen Blättern ein und die Alten vergämmeln. Den Ratschlag, Aquarien bei Neueinrichtung mit möglichst viel Pflanzenmasse vollzuballern halte ich für Kontraproduktiv. Mehrere Arten aber dafür je wenige Exemplare halte ich für richtig. So gämmelt weniger und die Pflanzenmasse kommt von alleine. Eine wirklich elegante Lösung sind Pflanzen aus Invitro-Kultur. Sie bringen in vielen Exemplaren wenig Masse mit und müssen sich nicht erst auf submers umstellen.

      Gruß, helmut
    • Hallo beisammen,

      eine höchst interessante Fragestellung! :top:
      wo es für fast jeden Wasserparameter einen mehr oder minder guten Test gibt, ist es oft trotzdem nicht eindeutig erkennbar welcher Mangel vorliegt. Da helfen "Zeigerpflanzen" doch oft sehr bei der Lösung des Rätsels und man kann ewiges Wasser testen und unnötige Geldausgaben vermeiden.

      Zudem Tests nur frei im Wasser gelöste Stoffe messen können. Gerade Eisen kann in unterschiedlichen Formen im Aquariumwasser vorliegen, die von den Pflanzen nicht gleichwertig verwertet werden können. Bei den Schwertamazonas erkenne ich rasch, wann eine Eisendüngung nötig ist. Bei mir die "Zeigerpflanze"!

      Es ist Eisenmangel der nicht durch zu wenig Eisen sondern durch einen Überhang von etwas anderem, das die aufnahme von Eisen verhindert, verursacht wird.

      Genau! Wäre doch langweilig, wenn es so einfach wäre ;)
      Grüße Duschl