Angepinnt Vieles über Hemichromis

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    • Vieles über Hemichromis

      Die „Roten Cichliden“ von G. Seela
      Im vergangenen Jahr hatte Vereinsfreund Jörg Leine das französische Cichlidenjahrbuch „L’an Cichlide“ 2004 vorgestellt. Dort fand ich einen Artikel von Anton Lamboj, Wien, über die Gattung Hemichromis. Früher gab es bis auf H. fasciatus (Fünffleckbuntbarsch)und H. bimaculatus (Roter Cichlide) in der Literatur kaum andere Hinweise auf weitere Arten. Das mag daran gelegen haben, dass unter H. bimaculatus alle „roten Cichliden“ zusammengefasst wurden, da eine nähere Untersuchung noch nicht erfolgt war. Mich interessierte der Artikel deshalb sehr, hatte ich doch 1980 aus Guinea H. fasciatus mitgebracht. Diese etwa 20 Jungtiere, in einem 1,20 m langen Aquarium untergebracht, hatten sich aber gegenseitig in kurzer Zeit eliminiert, es blieb nur ein Paar übrig. Dieses Paar laichte auch ab, aber nach zwei Tagen war das Gelege verschwunden und der Herr des Beckens hatte wohl seiner Dame die Schuld gegeben und sie deshalb so zugerichtet, dass sie kurz darauf starb. Soweit meine Erfahrungen mit H. fasciatus. Ähnliches kann man in der älteren Literatur über H. bimaculatus lesen.
      Inzwischen wurde die Gattung näher untersucht, neue Fundorte in Westafrika beschrieben und so können wir bis heute 9 Arten genauer unterscheiden. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Beschreibungen, die aber nicht exakt zugeordnet werden können, und im Handel immer unter irgendwelchen Namen, wie z.B. H. spec. „Ankasa“, angeboten werden.
      Ich habe mir nun die Mühe gemacht, den Artikel von A. Lamboj zu übersetzen. Da nach über 20 Jahren meine Französischkenntnisse nicht mehr so gut sind, dass ich alles ohne Zweifel und Fehler ins Deutsche gebracht hätte, hatte ich mit A. Lamboj Kontakt aufgenommen und er hat mir freundlicherweise seinen Originaltext in Deutsch zur Verfügung gestellt, so dass ich meine Ungenauigkeiten in der Übersetzung beseitigen konnte. Hier nun der besagte Artikel aus „L’an Cichlide 2004“ (mit freundlicher Genehmigung von Anton Lamboj)

      Die Roten Cichliden der Gattung Hemichromis Peters 1858
      Die den meisten zumindest dem Namen nach gut bekannte Gattung Hemichromis kann in zwei große Gruppen unterteilt werden: Einerseits gibt es die größer werdenden, so genannten Fünffleckcichliden, zum anderen die kleiner bleibenden „Roten Cichliden“, bei denen allerdings dieses Färbungsmerkmal nicht auf alle Arten in gleichem Ausmaß zutrifft.
      Das Verbreitungsgebiet der Roten Cichliden, um die es im folgenden Beitrag gehen soll, ist in der Natur sehr groß und reicht von Ägypten oder Algerien im Norden und Senegal im Westen bis zum Einzug des Kongoflusses nach Süden, allerdings fehlen Hemichromis weitgehend im Osten des afrikanischen Kontinentes südlich der Sahara.
      In der Färbung zeigen diese Hemichromis-Arten ein relativ einheitliches Bild: Ein schwarzer Fleck auf dem Kiemendeckeln ist immer, ein ebensolcher auf der Schwanzwurzel meistens sichtbar. Die meisten Arten haben auch einen schwarzen Fleck in der Körpermitte, der allerdings stimmungsabhängig verschwinden kann. Häufig sind irisierende blaue Punkte oder Strichel auf Kopf, Körper und Flossen sichtbar, sogenannte Iridiophoren. In der Normalfärbung sind die Arten meisten braun oder gelblichbraun, oft mit keinen bis wenigen roten Färbungsmerkmalen. Bei Balz und Aggressivität ist die vorherrschende Körperfärbung bei fast allen Arten ein kräftiges Rot (wie ja auch der Deutsche Name schon sagt), einige wenige Arten aber sind doch abweichend in der Farbe und dort kann Rot auch gar nicht sichtbar sein.
      Wirkliche befriedigende Aufklärung oder Kenntnis über die Artenvielfalt in dieser Gattung besteht derzeit wohl nicht. Eine Bearbeitung durch den Ichthyologen Loiselle aus dem Jahr 1979 sowie eine Unzahl aquaristischer Beiträge haben zwar versucht, Ordnung in die Gattung zu bringen, es aber eindeutig nicht geschafft. Besonders einige aquaristische Publikationen, die ohne jeden Vergleich mit Typenmaterial oft als „Stein der Weisen“ transportiert wurden, haben teilweise mehr zur Verwirrung als zur Klärung beigetragen. Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Bezüglich der richtigen systematischen Zuordnung von im Hobby vorhandenen Roten Cichliden zu irgendeiner bestimmten Art herrscht nach wie vor meistens eher Chaos als Klarheit vor.
      In der Aquaristik haben die je nach Art zwischen 8 und 12 cm groß werdenden Roten Cichliden eine schwankende Beliebtheit. Die überwiegend prächtigen Farben sind zweifelsfrei Anziehungspunkt sowohl für Neulinge wie auch für erfahrene Aquarianer, aber es schreckt die vermeintliche Aggressivität (die vor allem in der älteren Aquarienliteratur immer betont wird), oft verbunden mit einer meist schon zu guten Produktivität in der Fortpflanzung, viele Pfleger ab. Hier kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es sicherlich artbezogene, aber auch individuelle Unterschiede gibt; ich selbst hatte schon viele Paare aus verschiedenen Arten, die sich eher scheu und zurückgezogen verhielten. Besonders die kleiner bleibenden Arten, wie z. B. H. cristatus wären hier zu nennen. Es ist aber auch zu berücksichtigen, dass der schlechte Ruf dieser Fische zu Zeiten aufgebaut wurde, als Cichliden generell wenig gepflegt wurden und wenn, dann meist in viel zu kleinen Aquarien. Dass dann Buntbarsche, unabhängig welcher Art, wenn sie zusätzlich noch überwiegend mit kleinen Friedfischen wie Barben und Salmlern vergesellschaftet sind, allgemein aggressiv wirken können, versteht heute wohl jeder Pfleger. Es lässt sich meiner Ansicht nach sagen, dass die Roten Cichliden nicht mehr oder weniger aggressiv sind als Buntbarsche aus anderen Gattungen gleicher Größe. Der schlechte Ruf ist also kaum zu rechtfertigen und sollte endlich revidiert werden.
      Ich halte die Roten Cichliden sogar für sehr empfehlenswerte Pfleglinge: Was die Wasserbedingungen betrifft, sind alle Arten sehr tolerant und sowohl in sehr weichem wie auch in sehr hartem Wasser gut zu halten und zu züchten. Auch in der Ernährung sind sie einfach, es wird jedes gängige Futtermittel gerne angenommen. Als echten Vorteil sehe ich, dass Pflanzen – sieht man von kleinen Gruben für die Larven ab, die bei der Fortpflanzung gegraben werden – nicht behelligt werden – was man ja nicht von vielen Buntbarschen behaupten kann.
      Ablaichmodus und Zucht sind einfach, es handelt sich bei diesen Fischen um typische Offenbrüter mit guter Paarbindung und mäßigem bis gar nicht feststellbarem Dimorphismus – Männchen und Weibchen sehen also fast gleich aus. Die (je nach Größe der Eltern) ca. 100 - 500 Eier umfassenden Gelege werden auf Pflanzenblättern, Steinen oder Wurzeln abgesetzt. Die Eier sind klein und farblos bis wenig pigmentiert, die Betreuung durch die Eltern ist immer gut und aufopfernd. Typisch für die Jungfische von Hemichromis ist ein dunkler Längsstreif während der ersten Lebenswochen, der sich dann ab einer Größe von etwa 1 cm verliert.
      Mehr Worte über Pflege und Zucht im Aquarium will ich aber hier nicht verlieren, es wurde auch schon in den verschiedensten Artikeln und Büchern ausreichend dazu geschrieben, wesentliche Neuigkeiten oder Ergänzungen sind derzeit dazu nicht bekannt.
      Welche Arten gehören nun zu dieser Gruppe: Zunächst wäre hier die namentlich am meisten zitierte Art zu nennen: Hemichromis bimaculatus Gill, 1862. Dieser Name findet zwar sowohl in der Wissenschaft wie auch im Hobby am meisten Verwendung, in Tatsache ist diese Art aber wenig verbreitet und im natürlichen Vorkommen möglicherweise nur auf einige Gebiete in Guinea, Sierra Leone und vielleicht Liberia beschränkt. Aufgrund der geringen Kenntnis zu dieser Art und der Tatsache dass der Typusfundort nicht bestimmbar ist, müssen die Tiere, die derzeit in der Aquaristik als H. bimaculatus bezeichnet werden, mit einem Fragezeichen versehen werden. Diese Fische stammen zwar aus dem wahrscheinlich richtigen Verbreitungsgebiet, auffallend ist aber, dass sie meistens drei schwarze Flecken (inklusive des Kiemendeckelfleckes) zeigen anstelle von zwei, wie es in der Erstbeschreibung steht und wie ja auch der Artname besagt. Erschwert wird die Lage dadurch, dass diese „Aquarien-bimaculatus“ sehr große Ähnlichkeit in Körperform und einzelnen Merkmalen zum Typusmaterial von H. paynei besitzen. Es gibt also noch Klärungsbedarf.
      Fortpflanzungsbereite Tiere werden am ganzen Körper kräftig und ziemlich gleichmäßig rot; die Bauchregion ist allerdings etwas heller als der Rest des Körpers.
      Ähnlich aussehend ist – wie schon oben bemerkt - Hemichromis paynei Loiselle, 1979. Diese Art kommt ebenfalls in Guinea, Sierra Leone und Liberia vor. Aufgrund von Vergleichen mit Typusmaterial kann ich mit Sicherheit sagen, dass die in der Aquaristik bisher als H. paynei angesprochenen Exemplare nicht dieser Art angehören, sondern als eindeutig falsch eingeordnet und derzeit nicht exakt bestimmbar anzusehen sind (wahrscheinlich handelt es sich dabei um Exemplare von H. guttatus). Der „echte“ H. paynei sieht eben ähnlich aus wie H. bimaculatus – ob hier ein Synonym vorliegt, lässt sich aber nicht bestimmen.
      Im Verbreitungsgebiet dieser beiden vorgenannten Arten kann schließlich - nach Loiselle, 1979 - noch eine dritte Art gefunden werden: Hemichromis letourneauxi Sauvage, 1858. Die Art hat ein riesiges Verbreitungsgebiet; es reicht von Ägypten bis Algerien; an der Westküste von Senegal und ist von dort in den Süden bis in die Zentralafrikanische Republik bekannt. Die Größe kann bis ca. 12 cm betragen.
      Dieser Rote Cichlide hat eine eher eiförmige Körperform, die Schnauze ist kürzer als bei den vorgenannten Arten und leicht gerundet bis gespitzt. Der Seitenfleck ist normalerweise groß, rund, manchmal von einem deutlichen hellen Hof umgeben und in der Körpermitte gelegen. Manchmal – z. B. bei Stress – können wenige dunkle Querbänder vom Rücken bis etwa in die Körpermitte sichtbar sein.
      Dominante Tiere werden am ganzen Körper knallig rot, wobei der helle Hof um den Körperfleck (wenn generell vorhanden) leuchtend zitronen- bis goldgelb wird. Manchmal kann auch ein gelbes Längsband in Körpermitte von den Kiemendeckeln bis in den Schwanzstiel auftreten.
      Loiselle (1979) berichtet von teilweise auffälligen anatomischen Unterschieden zwischen Populationen, die teilweise genaue Aussagen über Artcharakteristika schwer machen. Trotz allem lässt sich meiner Ansicht nach die Art – oder zumindest das, was sich derzeit anhand des Mangels an detaillierteren Informationen als solche darstellt - gut über die Form- und Farbmerkmale erkennen.
      Eine Art, bei der ebenfalls häufig ein waagerechter gelber Mittelstreif bei der Prachtfärbung zu sehen ist, ist Hemichromis cristatus Loiselle, 1979. Allerdings kann diese Art, die von Guinea bis Nigeria vorkommen dürfte, doch kaum mit H. letourneauxi verwechselt werden. Mit einer Länge von bis zu 8 cm dürfte dies die kleinste Art der Gattung sein. Die Maulspalte ist auffallend klein, erwachsene Fische werden relativ hochrückig – wesentlich hochrückiger auf jeden Fall als es bei den bisher besprochenen Arten der Fall ist. Ein sehr deutlicher heller Hof um den Seitenfleck ist immer gut sichtbar; ebenfalls meistens auch mehrere schmale dunkle Bänder, die vom Rücken bis ca. zur Körpermitte gehen. Dieser kleine Waldbewohner ist für Hemichromis sehr scheu und zurückhaltend. Die Gelege sind klein, bis maximal ca. 150 Eier und die Jungen während der ersten Tage winzig und kaum mit Artemien zu füttern – daher soll das Zuchtaquarium für diese Art entweder alt eingerichtet sein oder eine Zugabe von Rädertierchen (bzw. ähnlich kleiner Futtertiere) während der ersten Tage ist empfehlenswert.
      In der letzten Zeit wurden übrigens Fische importiert, die dieser Art extrem ähnlich sahen, aber durch Exporteure aus der Republik Kongo zu uns kamen - daher wurden diese Hemichromis auch zunächst in der Herkunft diesem Land zugeordnet und als H. spec. „Kongo“ oder H. spec. „Zaire“ bezeichnet (Linke & Staeck, 2002, Staeck, 2002). Tatsächlich wurden die Tiere aber in Nigeria eingesammelt und lediglich über den Kongo nach Europa gesendet. Nach allen bisherigen Untersuchungen, Vergleichen und Informationen handelt es sich dabei ebenfalls um H. cristatus.
      Von den Arten, die noch in eher westafrikanischen Gebieten zu finden sind, bleibt nun nur noch Hemichromis guttatus Günther, 1862 zu nennen. Diese Art kommt von Cote d´Ivoire bis Kamerun vor und ist mit einer Länge bis 10 cm als mittelgroßer Roter Cichlide einzustufen.
      Ein für mich wichtiges Merkmal ist der runde bis überwiegend tropfenförmig-ovale Seitenfleck, der nur selten – meistens nie - von einem schmalen, hellen Hof umgeben ist und knapp über der Mittelachse liegt.
      H. guttatus ist wahrscheinlich die am häufigsten in der Aquaristik gepflegte Art, wird aber meistens unter falschem Namen transportiert; entweder als H. bimaculatus oder – besonders Tiere mit vielen Iridiophoren – als H. lifalili. Soweit ich es nachvollziehen kann, zeigen mehr als 90% aller H. lifalili–Bilder in der aquaristischen Literatur in Wahrheit H. guttatus.
      Die folgenden beschriebenen Arten sind nun ausschließlich in zentralafrikanischen Ländern zu finden. Als erstes will ich Hemichromis cerasogaster (Boulenger, 1898) nennen, eine Art die wahrscheinlich endemisch nur im Lac Mai Ndombe und dessen Umgebung in der Demokratischen Republik Kongo vorkommt. Die Exemplare der mäßig hochrückigen Art fallen dadurch auf, dass sie in der Dorsalis immer mindestens einen (selten zwei oder drei) deutlichen schwarzen Fleck aufweisen; zusätzlich ist auch die Kieferbezahnung deutlich mehrreihig (in Gegensatz zu den anderen Arten, die höchstens eine zweite Zahnreihe pro Kiefer mit nur wenigen Zähnen besitzen). H. cerasogaster war lange Zeit im Hobby vollkommen unbekannt. Im Herbst 2002 wurden erstmals lebenden Tiere durch Schliewen gesammelt, kurz darauf erfolgten erste Importe in die USA durch T. Orso. Die Grundfärbung des Körpers ist gelblich bis gelbbraun gefärbt und zum Bauch hin heller werdend, in der Balz und Brutpflege wird die Bauchregion intensiv dunkelrosa bis rot. Stimmungsabhängig können einige dunkle Querbänder sichtbar sein. Die Fortpflanzung ist bereits gelungen, in den wesentlichen Grundzügen entspricht auch diese Art dem Gattungsschema.
      Ähnlich aussehend – allerdings ohne schwarzen Fleck in der Rückenflosse – sind die Kongo-Populationen von Hemichromis stellifer Loiselle, 1979. Auch hier werden meistens (Ausnahmen gibt es aber) die Fische in der Brutpflege nicht komplett rot, sondern nur in der unteren Körperhälfte. Anders hingegen die Populationen der Art aus Gabun, die am ganzen Körper rot werden und dabei meistens blau bis blaugrün gerandete Körperschuppen zeigen. Nach meinen Erfahrungen werden die Gabun-Fische auch viel hochrückiger. Ob es sich bei diesen beiden verschiedenen Formen wirklich um eine Art handelt, ist vielleicht noch zu klären.
      H. stellifer aus dem Kongo werden in den letzten Jahren regelmäßigen importiert und haben sich als relativ ruhig und verträglich gezeigt, die Gabun-Form ist seltener im Hobby anzutreffen.
      Schließlich wäre noch Hemichromis lifalili Loiselle, 1979 aus der Zentralafrikanische Republik, und den beiden Kongo-Republiken zu nennen. In der Aquaristik wird wohl fast jeder Rote Cichlide mit extrem vielen blauen Glanzpunkten als H. lifalili bezeichnet. Worauf dies zurückzuführen ist, kann ich nicht erklären – in Wahrheit handelt es sich aber meist nicht um diese Art (siehe meine Anmerkungen bei H. guttatus). H. lifalili dürfte in Wahrheit sehr selten importiert werden, das äußere Erscheinungsbild der Art kann daher nicht 100%-ig exakt beschrieben werden.
      Betrachtet man das Typenmaterial, so ist der Seitenfleck wohl deutlich ausgeprägt, rund, in der Mittelachse gelegen und meistens von einem kleinen, hellen Hof umgeben. Manchmal können einige dunkle Binden sichtbar sein, die vom Rücken bis etwas unter die Körpermitte reichen. Unsicher ist meiner Ansicht nach, ob es sich hier tatsächlich um eine intensiv rot werdende Art handelt, so wie bisher immer vermutet.
      Eine Reihe offensichtlich unbeschriebener bzw. nicht zuordbarer Arten der Gattung sind ebenfalls bekannt, von denen ich einige kurz anführen will: Zunächst Hemichromis spec. Guinea 1 (auch als H. spec. “Limbun” bekannt) und Hemichromis spec. Guinea 2 (auch als H. spec. „Simballa“ bezeichnet). Beide Arten kommen aus dem Kolente-Einzug in Guinea zu uns und sehen zumindest in der Färbung untypisch aus: Rot fehlt, dafür dominieren gelbliche und bräunliche Farben. Beide Arten haben nur geringe Verbreitung gefunden und haben sich als nicht sehr gut züchtbar gezeigt. Vom Verhalten her sind sie relativ scheu und zumindest anderen Cichliden gegenüber nur wenig aggressiv. Warum die Zucht dieser beiden Arten nur selten und schwer gelingt ist noch nicht geklärt.
      Hemichromis spec. „Ankasa“ aus dem westlichen Ghana wurde vor allem durch Hans van Heusden in Europa verbreitet. Die Exemplare dieser knallig rot werdenden Art zeigen teilweise Ähnlichkeiten zum Typenmaterial von H. paynei. Ob es sich dabei um eine Population von H. paynei oder aber um eine neue Art handelt, ist noch zu hinterfragen.
      Hemichromis spec. „Bangui“ könnte aus der Zentralafrikanische Republik kommen. Es ist dies eine relativ schlanke Art, mit rundlichem Kopfprofil und ziemlich kurzer Schnauze. Ein schwarzer Körperfleck ist immer sichtbar, der meistens hell gelblich umrandet ist; bei der Brutpflege bzw. bei Territorialität wird fast der gesamte untere Bereich von Körper und Kopf rot gefärbt, während Stirn und Rücken eher gelborange sind.
      Hemichromis spec. „Neon“ schließlich ist wohl eine der auffälligsten „Arten“, allerdings lässt es sich hier nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob es sich um eine in der Natur vorkommende Art oder um ein Produkt züchterischer Selektion handelt. Zur Verbreitung ist auf jeden Fall derzeit gar nichts bekannt. Von der Körperform können sowohl Ähnlichkeiten zu H. guttatus, H. letourneauxi wie auch zu H. stellifer abgeleitet werde. Ein Seiten- und ein Schwanzwurzelfleck sind – zumindest bei jüngeren Tieren – gut sichtbar, bei adulten können sie manchmal verschwinden. Am auffälligsten aber sind die vielen, ungewöhnlich großen Iridiophoren und blauen Wurmlinien, die diese Fische am ganzen Kopf, Körper und in fast allen Flossen haben.
      Wie dem auch sei, im Gesamten sehe ich die Vertreter der so genannten Roten Cichliden als extrem schöne und empfehlenswerte Buntbarsche. Es wäre höchste Zeit, dass ihr zu Unrecht in der Vergangenheit transportierter schlechter Ruf endlich zu den Akten gelegt wird.

      Ich bedanke mich für die freundliche Erlaubnis diesen Bericht hier zu veröffentlichen bei dem Verfasser Anton Lamboj und dem Übersetzer vom französichen ins deutsche Gernot Seela , Roßmässlerverein Halle/Saale.

      Gruß

      Uwe
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      Danny Kaye