Ankündigung Cichlidenwelt meets Uwe Werner

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  • Cichlidenwelt meets Uwe Werner

    Zur Person Uwe Werner


    Ich bin 1948 geboren, verheiratet, habe zwei erwachsene Kinder und bin Fremdsprachenlehrer und Konrektor einer Realschule.

    Seit 1958 bin ich begeisterter Aquarianer und kümmere mich heute um etwa 30 Aquarien, die etwa 12 000 l Wasser fassen und zumeist Buntbarsche, aber auch Welse, Lebendgebärende oder verschiedene ausgefallende Aquarienpfleglinge (etwa Garnelen und Krebse) beherbergen.


    Im Laufe der Jahre habe ich Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Fischfamilien und Süßwasser - Krustern gesammelt, die ich in verschiedenen Büchern "Aquarienpraxis - Süßwasser" (Ulmer Verlag Stuttgart, 1987), "Beliebte Fische" (1988), "Ausgefallene Aquarienpfleglinge" (Landbuch Verlag Hannover, 1993 landbuch.de bzw. buch@landbuch.de) und "Garnelen, Krebse und Krabben für das Süßwasseraquarium" (Aqualog Verlag A.C.S Rodgau, 1998 aqualog.de bzw. acs@aqualog.de) zusammengefasst habe. Aus diesem Buch über Süßwasserkruster ist mittlerweile ein Standardwerk mit dem Titel "Alles über Garnelen, Krebse und Krabben im Süß- und Brackwasseraquarium und im Paludarium" geworden (A.C.S. Verlag, 2008).

    Meine Kentnisse über die Buntbarsche Süd - und Mittelamerikas führten in Zusammenarbeit mit dem Chefredakteur der DATZ, Rainer Stawikowski, zu einem zweibändigen Standartwerk über "Die Buntbarsche der Neuen Welt" (Mittelamerika 1985; Südamerika 1988; Ulmer Verlag Stuttgart datz@ulmer.de), das inzwischen durch "Die Buntbarsche Amerikas" (1998 und 2004) abgelöst wurde.

    In den 80er und 90er Jahren habe ich viele abenteuerliche ichthyologische Sammelreisen in die entlegensten Gebiete Süd - und Mittelamerikas unternommen und zahlreiche unbekannte Fische (zumeist Buntbarsche) zum ersten Mal oder wieder neu aus Ecuador, Venezuela, Brasilien, Kolumbien, Peru, Guyana, Französisch Guyana, Surinam, Costa Rica, Guatemala, Honduras, Nicaragua und Mexiko nach Deutschland eingeführt. Über meine Erlebnisse auf einigen dieser Reisen berichte ich in meinem Buch "Fischfangabenteuer Südamerika" (Landbuch Verlag Hannover, 1992). - Mittlerweile bin ich aber auch in Westafrika (Ghana und Kamerun) gewesen und habe auch von dort interessante Fische und Eindrücke mitgebracht.

    In den letzten Jahren habe ich regelmäßig an den Düsseldorfer Symposien zum Verhalten und zur Fortpflanzungsbiologie der Aquarienfische teilgenommen. Die dort von Aquarianern und Wissenschaftlern gehaltenen Referate sind in Buchform (Herausgeber: Prof. Dr. H. Greven und Dr. R. Riehl) beim Birgit Schmettkamp Verlag ( schmettkamp.de bzw. schmettkamp@t-online.de) erhältlich.


    Interview vom 1.11.2009 geführt mit Uwe Werner, Peter Buchhauser.




    Peter Buchhauser:
    Uwe, wann bist du zur Aquaristik gekommen?
    Uwe Werner:
    Mein Vater hatte ein Aquarium, als ich 9 Jahr alt war. Da er einen eigenen Betrieb hatte, habe ich die Pflege übernommen, da es mich interessiert hat. Das war im Jahre 1957.


    Peter Buchhauser:
    Welche Fische hast du als erstes gezüchtet?
    Uwe Werner:
    Das waren Salmler. Zur damaligen Zeit hatte mein Nachbar Samler, Rote von Rio (Hyphessobrycon flammeus), Glühlichtsamler (Hemigrammus erythrozonus), Ziersalmler (Nannostomus-Arten) und so weiter, und ich habe ihm nachgeeifert.

    Dann habe ich mir Blaubarsche (Badis badis) gekauft und kurz darauf Mikrogeophagus und Nannacara anomala gezüchtet.

    Peter Buchhauser:
    Wann bist du zu den Großcichliden gekommen?
    Uwe Werner:
    Durch Rainer Stawikowski bin ich 1968 zu den Großcichliden gekommen. Wir haben uns gegenseitig animiert, nach Neuigkeiten zu suchen, was auch gelungen ist. Wir haben damals sogar am selben Tag eine Kamera gekauft, nur um Fische zu fotografieren.


    Peter Buchhauser:
    Hattest du schon Tiere aus dem Malawisee/Tanganjikasee?
    Uwe Werner:
    Von Rainer Stawikowski hatte ich meine ersten Großcichliden, Chromidotilapia guntheri, geschenkt bekommen. Danach züchtete ich Labeotropheus fuelleborni, um während meines Studiums nebenbei etwas Geld zu verdienen. Für kurze Zeit hielt und züchtete ich auch Julidochromis-Arten.


    Peter Buchhauser:
    Wann begann dein Einstieg bei den Süd- und Mittelamerikanischen Cichliden?
    Uwe Werner:
    Ende 1970 stieß ich auf Südamerikanische Cichliden. Mein erster Cichlide war ein Cryptoheros. Der kommt zwar aus Mittelamerika, aber damals war man sich gar nicht bewusst, dass Süd- und Mittelamerika so unterschiedliche Cichlidenfaunen beherbergen und auch ganz andere Parameter bieten, die für die Pflege und Zucht wichtig sind. Jedenfalls entschied ich mich, mittelamerikanische (bzw. 'südamerikanische') Cichliden zu meinem Schwerpunkt zu machen.


    Peter Buchhauser:
    Was bedeutet die DCG für dich?
    Uwe Werner:
    Die DCG wurde für mich 1970 wichtig. Damals ging ich mit 5 – 6 Leuten zu den DCG Treffen, hörte Vorträge an und kaufte neue Fische. Damals boomte das Hobby, um die 100 Leute drängelten sich in kleinen Vortragssälen. In dieser Zeit kamen auch die Malawi-Buntbarsche in Mode.


    Peter Buchhauser:
    Wann hast du das erste Mal publiziert?
    Uwe Werner:
    Das war um 1970. Die DATZ hatte über Nematobrycon palmeri berichtet und deren Zucht als äußerst schwierig dargestellt.
    Bei mir hatten diese Salmler völlig problemlos bei hellem Sonnenlicht gelaicht. Also schilderte ich meine Erfahrungen und glaubte fortan nicht mehr alles, was gedruckt wird. Parallel dazu hatte ich Helmut Pinters 'Handbuch der Aquarienfischzucht' gelesen. Er fasste bestimmte Fischarten in Gruppen mit gleichen Zuchtanforderungen zusammen. Mir leuchtete ein, dass das ein sinnvolles Vorgehen war.

    Peter Buchhauser:
    Du hast dann mit Holzaquarien angefangen?
    Uwe Werner:
    Meine Bauanleitungen für Holzaquarien wurden schon vor 30 Jahren veröffentlicht, sie waren damals billiger und ich traute mich noch nicht, Aquarien mit Silikon zu kleben.


    Peter Buchhauser:
    Aufgrund der Exportbestimmungen der IBAMA in Südamerika und den Wirren in Afrika und immer neuen Züchtungen aus Asien, wie wichtig sind da Arterhaltungsprogramme und Arbeitskreise in den westlichen Ländern? Können sie wirklich zur Arterhaltung beitragen oder vernichten sie Einkommensquellen der einheimischen Bevölkerung?
    Uwe Werner:
    Arterhaltungsprogramme und Arbeitskreise sind enorm wichtig, aber man muss sich darüber klar sein, dass es ganz schwer ist nachzuhalten, wer sich um welche Arten kümmert und sie auf Dauer pflegt bzw. züchtet. Ich selbst kenne das von der DCG. Manchmal muss man eine Art, die man wegen des Arterhaltungsprogramms behalten müsste, abschaffen, weil es schlicht an Platz mangelt. Man muss den Aquarianern aber unbedingt klar machen, dass es nicht sinnvoll ist, wenn alle immer die 'neuen' Arten gleichzeitig pflegen und dafür andere, die schwer wieder zu beschaffen sind, leichtfertig abgeben. Aber natürlich muss und darf jeder tun, was er für richtig hält.

    Einkommensquellen in den Heimatländern der Fische werden dadurch kaum wegfallen, da die Fische ja in alle Welt exportiert werden. Wenn WIR uns um eine Art kümmern und sie durch Nachzucht erhalten, bedeutet das noch nicht, dass nicht in den USA z.B. oder in Japan großer Bedarf besteht.


    Peter Buchhauser:
    Wie stehst du zu Hybridisierung/Zuchtformen?
    Uwe Werner:
    Von irgendwelchen Kreuzungen halte ich nichts. Es muss unser Ziel sein, Arten rein zu erhalten. Man sieht bei den Regenbogenfischen, wie schwer es geworden ist, Naturformen überhaupt im Handel zu finden. Gegen Zuchtformen habe ich nichts, soweit sie ästhetische Ergebnisse zum Ziel haben, die die Lebensqualität der Fische nicht beeinträchtigen. Wir erfreuen uns ja auch an verschiedenen Guppys, Platys und Schwertträgern, die nach Farbe und Form herausgezüchtet worden sind. Aber schleierflossige Cichliden sind ein unsinniges Zuchtziel, verkrümmte Wirbelsäulen und ähnliche Dinge sogar Tierquälerei.


    Peter Buchhauser:
    Wann war deine erste Fangreise und wohin?
    Uwe Werner:
    Durch den DCG hatte ich Kontakt zum Literaturwart der DCG, Herrn Alfred Ufermann. Dieser erzählte von einem Herrn Berthold Weber, der nach Costa Rica wollte und Reisebegleiter suchte. So bin ich 1981 zusammen mit Herrn Berthold Weber und Herrn Hans-Günter Breidohr nach Costa Rica geflogen. Ursprünglich wollte ich nur einmal hin, aber schon beim Rückflug hatte ich mich entschieden, möglichst bald wieder in die Tropen zu fliegen.

    1986 war ich zum ersten Mal in Ekuador, Südamerika.

    Für eine Reise nach Honduras musste ich mir damals sogar unterwegs Geld leihen, nach der Rückkehr hatte ich sogar dafür das Auto verkauft. Glücklicherweise gewann meine Frau zu der Zeit bald ein Auto im Lotto, und so war alles wieder im Lot.

    Peter Buchhauser:
    Wie oft bist du mittlerweile schon verreist?
    Uwe Werner:
    Inzwischen war ich über 30 Mal in Mittel- und Südamerika.
    Über Venezuela, Brasilien, Kolumbien habe ich Reiseberichte veröffentlicht, u. a. in meinem Buch 'Fischfangabenteuer' von 1989.


    Peter Buchhauser:
    Hast du auch schon Afrika bereist?
    Uwe Werner:
    Ja, ich war im Jahr 2005 in Ghana und 2009 in Kamerun.


    Peter Buchhauser:
    Was sind deine nächsten Reisepläne?
    Uwe Werner:
    In Mittelamerika habe ich mittlerweile schon alles gesehen, deswegen möchte ich mindestens noch einmal nach Kamerun, das ist ein sehr interessantes Land, und vielleicht auch mal an den Kongo.


    Peter Buchhauser:
    Wie viel Zeit verbringst du denn mit den Aquarien? Und du sitzt mit Sicherheit doch auch viel am Rechner?
    Uwe Werner:
    Ich gehe jeden Abend in den Keller zu den Aquarien, füttere die Tiere, kontrolliere die Filter. Die Kamera und der Fotoapparat stehen im Keller bereit. Danach geht’s an den Rechner, Bilder einscannen, Filme schneiden oder Artikel schreiben. Ich glaube, ich sitze fast mehr am Rechner.
    Mein Leben wird überhaupt sehr stark von der Aquaristik bestimmt. Die meisten meiner Freunde sind Aquarianer, und auch mein Urlaub ist oft 'auqaristisch' ausgerichtet.



    Die Cichlidenwelt bedankt sich bei Uwe Werner für dieses Interview