Regenwaldterrarium mit Dendrobaten

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    • Regenwaldterrarium mit Dendrobaten

      Hallo zusammen,

      da ich neben meinen Aquarien auch noch ein Regenwaldterrarium besitze, möchte ich es euch gerne vorstellen. Ich muss dazu sagen, dass ich zu dem Terrarium kam, wie die Jungfrau zum Kinde, da ein Bekannter von mir sein Hobby leider aufgeben musste. Ich bin sehr froh, dass ich das Terrarium übernommen habe. Die Tiere habe ich dann hinzugesetzt.

      Es wird von 3 verschiedenen Dendrobatenarten (Pfeilgiftfrösche/Baumsteiger) bewohnt, insgesamt 15 Tiere (+ erster Nachwuchs) und etwa 15 Quappen. Zusätzlich schwimmen zu den Quappen noch 2 Guppies im Bachlauf.

      Besatz:
      4 Denrdobates Leucomelas 1/3

      5 Hyloxalus Azureiventris (+ erstes Jungtier aus eigener Nachzucht) 4/1

      6 Epipedobates Tricolor (5 Hochlandform, 1 Nominatform) 0/0/6

      Es ist ein Deltabecken mit einer Frontlänge von 102cm, einer Schenkellänge von 74cm und einer Höhe von 75cm. Die Front besteht aus zwei Glastüren, welche zur Seite geschoben werden können.

      Beleuchtet wird das Terrarium mit 2x 20W Energiesparlampen und einer 39W Leuchtstoffröhre, welche eigentlich für Nanobecken konzipiert ist. Die Beleuchtung sorgt für einen ausgezeichneten Pflanzenwuchs und die separate Schaltung der Lampen, lässt unterschiedliche Lichtverhältnisse zu um so z.B. Bewölkung, Gewitter oder Dämmerung zu simulieren.

      Das Terrarium verfügt über einen Bachlauf, der in der hinteren oberen Ecke des Terrariums aus einem kleinen Teich entspringt, einen kleinen Berg mittels eines "Wasserfalls" hinabfließt und schließlich in einem großen Wasserteil mündet. Der Höhenunterschied zwischen Quelle und Filtereinzug beträgt etwa 60cm.
      Betrieben wird der Bachlauf durch einen JBL CristalProfi 900 Außenfilter. Der Filter ist mit seiner Leistung von 900l/h für die knapp 10 Liter Wasser mehr als ausreichend :D
      Um aus dem Bächlein keinen „reißenden Strom“ zu machen, habe ich die Auslaufstärke des Filters sehr reduziert.
      Beheitzt wird primär durch den Wasserlauf und dem dazugehörigen Wasserteil im vorderen Bereich des Terrariums. Ich habe hierzu an den Außenfilter einen Durchlauferwärmer (150W) zwischengeschaltet um die Wassertemp. auf 25°C zu halten. Der Rest der Wärme entsteht durch die Beleuchtung und natürlich durch die Zimmertemp.
      Die Terrarientemperatur schwankt so im Laufe des Tages zwischen 23°C am Morgen und etwa 29°C Mittags und Abends. Wobei das Terrarium unterschiedliche Temperaturzonen aufweist. In Bodennähe, steigt die Temperatur am Tag selten über 25-26°C, in den höheren Regionen steigt sie dagegen auf die erwähnten 29-30°C.
      Die Tiere haben somit die Möglichkeit sich in den Regionen des Terrariums aufzuhalten, welche sie jeweils am angenehmsten empfinden.
      In der Nacht sinkt die Temperatur auf Zimmerniveau ab (ca. 23°C).

      Für eine konstante Luftfeuchtigkeit sorgt zum einen der Bachlauf mit Wasseteil, zum anderen eine Beregnungsanlage und ein Ultraschallvernebler. Beregnet und Vernebelt wird jeweils Morgens und Abends für 10 min um die Luftfeuchtigkeit auf etwa 100% zu heben. Tagsüber sickt sie dann auf etwa 70% um Abends für die Nacht wieder erhöht zu werden. Alles wird über Zeitschaltuhren völlig automatisch gesteuert.

      Für den Betrieb der Regenanlage benutzte ich Aquarienwasser, welches in einem 20l Kanister gespeichert wird. Die 20l reichen für etwa 3-4 Wochen, bis ich den Kanister erneut befüllen muss. Die 6l Kapazität des Verneblers hält sogar noch länger.

      Die Seitenwände sind mit Xaxim und Kork verkleidet. Die Bergnachbildung besteht aus braunem Strukturkunststoff. Von beidem ist jedoch bei mir aufgrund der Bepflanzung fast nichts mehr zu sehen. Der Rest der Decko besteht aus einigen Wurzeln und weiteren Xaximstücken.

      Die Bepflanzung besteht aus unterschiedlichen Bromelienarten, Efeutüde, Orchideen, Farne, div. Kletterpflanzen und natürlich Moose.
      Im Wasserteil befindet sich Javamoos und Anubias sowie div. Wurzelwerk der übrigen Pflanzen.
      Das Javamoos ist dabei von besonderer Bedeutung, da es einerseits den Wasserstrom bremst und filtert, andererseits den Fröschen Sicherheit bietet falls sie ins Wasser fallen würden. Da Dendrobaten nicht schwimmen können finden sie am Javamoos und an den Wurzeln der Pflanzen Halt um wieder aus dem Wasser zu klettern.
      Besonders wichtig für Dendrobaten ist ein möglichst dichter Bewuchs, in den sich die Tiere zurückziehen können. Die Seitenwände, gerade in den hinteren oberen Ecken des Terrariums sollten stark bewachsen sein. Ich achte sehr auf solch ein Dickicht welches gerne von den Tieren zur Paarung und zum Schlafen aufgesucht wird. Es bietet natürlichen Sichtschutz, Reviergrenzen, Rückzugsmöglichkeiten für schwächere Tiere und Eiablagemöglichkeiten. Zusätzlich wirkt sich ein gutes Pflanzenwachstum sehr positiv auf das Terrariumklima aus.
      Zur besseren Beobachtung und Fütterung der Frösche halte ich dagegen den Bodenteil möglichst Pflanzenfrei.

      Die Pflanzen müssen unbedingt frei von Schadstoffen sein. Also nicht aus dem Baumarkt um die Ecke eine schöne Orchidee kaufen, die wird wahrscheinlich gespritzt ist.

      Das Terrarium steht auf einem selbstgebauten Unterschrank, welcher die gesamte Technik aufnimmt.

      Zu den Wartungsarbeiten:

      Wirklich positiv zu vermerken ist die geringe Wartungszeit, die man investieren muss um solch ein Terrarium zu pflegen.

      Einmal die Woche sollte man etwa 1L Wasser in den Bachlauf geben.
      Die Frontscheiben reinige ich etwa 1x im Monat um evtl. Kalkrückstände oder Algen zu entfernen.
      Den Filter habe ich seit 6 Monaten nicht gereinigt. Wasserqualität hervorragend.
      Die Pflanzen müssen nach eigenem Empfinden zurückgeschnitten werden.
      Gegossen werden muss nicht extra, das erledigt die Regenanlage. Ebenso die Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen durch das verwendete Aquarienwasser.
      Etwa alle 4 Wochen muss das Wasser der Regenanlage nachgefüllt werden.

      Umso weniger man an und im Terrarium hantiert, desto mehr Freude und weniger Probleme hat man damit!!!

      Zur Einrichtung sei kurz gesagt, dass wirklich nur Material verwendet werden sollte, dass speziell für diese Luftfeuchtigkeit mit entsprechenden Temperaturen geeignet ist. Schnell entsteht in solch einem Klima Schimmel oder es bilden sich Bakterienherde. Am besten wirklich nur Material aus dem Fachhandel beziehen.

      Zu den Fröschen:

      Vorne weg sei gesagt, dass man auf Wildfänge verzichten sollte. Die Dendrobaten gehören alle zu den gefährdeten Arten, so dass kein weiterer Raubbau an der Natur stattfinden sollte. Zudem findet man ziemlich alle Arten bereits als Nachzuchten vor.
      Ich habe die Tiere von einem Züchter aus Nürnberg der in der Dendrobaten-Gemeinde sehr bekannt ist. Er züchtet seine Frösche in einem großen Gewächshaus in dem die Frösche möglichst naturnahe Bedingungen vorfinden. Eben nicht so eingeschränkt wie in einem Terrarium. (Vgl. Teichhaltung unserer Aquarienfische).

      Bei der Wahl ist es wichtig darauf zu achten, dass sich die Arten untereinander nicht kreuzen können.

      Zu den einzelnen Froscharten möchte ich jetzt nichts schreiben, man findet genug Informationen im Netz (Dendrobase).

      Es sei hier nur erwähnt, dass es sich wirklich um absolut problemlose Pfleglinge handelt die ein ausgesprochen interessantes und individuelles Verhalten an den Tag legen.
      Was mir besonders im Vergleich zu anderen Amphibien an den Dendrobaten gefällt, ist die ausgesprochene Aktivität. Sie hüpfen wirklich den ganzen Tag durch das Terrarium. Es gibt immer etwas zu entdecken und zu beobachten. Gerade die Leucomelas sind wirklich zutrauliche Tiere, die sich zur Fütterung auch gerne mal im Kreis scharen um ihre Fliegen zu bekommen.

      Gefüttert wird mit großen und kleinen Fruchtfliegen, Springschwänzen, Blattläusen und weißen Asseln.

      Seit einiger Zeit habe ich das Glück immer wieder Gelege auf den Bromelienblättern zu finden und wie bereits erwähnt schwimmen etwa 15 Quappen im Wasserteil. Der erste Hyloxalus Azureiventris hat auch schon das Wasser verlassen. Es ist wirklich sehr faszinierend die Entwicklung von der Quappe zum voll entwickelten Frosch zu beobachten. Die weiteren Tage sollten noch weitere Frösche ans Land gehen.

      So genug geschrieben... Ich hoffe ich konnte bei manch einem das Interesse an der Pflege von Dendrobaten wecken. Falls jemand Fragen hat, steh ich gerne zur Verfügung.

      Viele Grüße,

      Markus
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    • Hallo Markus
      Sehr interressant!! Dendrobaten faszienieren mich schon eine ganze Weile, aber die Ernährung dieser hat mich immer abgeschreckt.
      Auch sehr schön zu sehen das mann auch verschiedene Dendrobaten zusammen halten kann.
      Kann mann auch noch andere Tiere vorgesellschaften?

      Schönes Stück Regenwald hast du da! :top:
      Grüße Ingo

      :mala:
    • Hallo zusammen,

      vielen Dank!

      Hallo Ingo,

      die Ernährung der Tiere stellt keine besonderen Probleme dar. Fruchtfliegen zu züchten ist sehr einfach, man kann es so zu sagen gar nicht verhindern :D :D :D
      Ich habe seit März einen Zuchtstamm flugunfähiger Fruchtfliegen, welchen ich alle 4-5 Wochen neu mit Nährbrei ansetze. Ich habe so immer etwa 6 Flaschen (1l) mit Fliegen zur Verfügung. Zur Fütterung schüttelt man einfach immer eine kleine Menge von den Tierchen ins Terrarium. Gefüttert wird bei mir alle 2 Tage. Die Frösche können aber auch problemlos einmal eine Woche ohne Fütterung auskommen. Im Terrarium finden sie noch genug Insekten, welche sich verkrochen haben. Ich habe es mir selbst komplizierter vorgestellt als es eigentlich ist. Einmal pro Woche sollte man die Insekten mit Vitamin- und Mineralpulver bestäuben um Mangelerscheinungen bei den Fröschen vorzubeugen. Besonders freuen sich meine Dendrobaten über Blattläuse. Einfach ein befallenes Pflanzenblatt ins Terrarium legen und schon kann das Fressen beginnen.

      Man kann natürlich auch andere Dendrobatenarten miteinander vergesellschaften, aber wie schon gesagt sollte man unbedingt darauf achten, dass sie sich untereinander nicht kreuzen können. In dem Gewächshaus aus dem meine Tiere stammen, werden 12 unterschiedliche Dendrobatenarten miteinander gepflegt, bei denen eine Gefahr der Kreuzung ausgeschlossen ist. Die Kombinationsmöglichkeiten sind wirklich groß.
      Ob man andere Amphibien vergesellschaften kann, weiß ich nicht. Ich persönlich wäre da eher vorsichtig.
      Mit kleinen Fischen ist es auf jeden Fall kein Problem. Da die Quappen mit handelsüblichen Fischfutter gefüttert werden kann man "zwei Fliegen" mit einer Klappe schlagen :top:

      Der kleine Kerl auf den letzten beiden Bildern ist mein erster "Landgang" :D :D :D

      Viele Grüße,

      Markus
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    • Hallo zusammen,

      heut habe ich erneut Nachwuchs in meinem Terrarium endeckt. Der kleine Hyloxalus Azureiventris misst gerade etwa 1cm und ist höchstens 3-4 Tage an Land.
      Auf dem ersten Bild ist die Mutter des Kleinen mit zu sehen.

      Viele Grüße,

      Markus
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