Ankündigung Strömungsliebenden Cichliden aus West- und Zentralafrika von Mag. Dr. Anton Lamboj

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    • Strömungsliebenden Cichliden aus West- und Zentralafrika von Mag. Dr. Anton Lamboj

      Strömungsliebenden Cichliden aus West- und Zentralafrika

      Mag. Dr. Anton Lamboj



      Einige west- und zentralafrikanische Flußsysteme sind die Heimat interessanter Buntbarsch-Arten mit besonderer ökologischer Anpassung: Es handelt sich die sogenannten rheophilen oder strömungsliebenden Cichliden, wobei sich die Definition der Rheophilie nach Roberts & Stewart (1976) richten soll. Es sind damit nicht solche Arten zu betrachten, die tatsächlich die am stärksten durchströmten Bereich eines Gewässers als Aufenthaltsort bevorzugen (wie es oft bei europäischen Fischen der Fall, ist die als rheophil bezeichnet werden), sondern Arten, die zwar in stark strömenden und turbulenten Gewässerbereichen vorkommen, dort aber meistens geschützte Bereich oder oft Zonen mit weniger Strömung und Turbulenzen aufsuchen und die durch anatomische und morphologische Gegebenheiten an diese Lebensweise als Spalten- und Lückenbewohner angepaßt sind.

      Generelle Merkmale aller dieser Cichliden sind Tendenzen zur Reduktion der Schwimmblase, zumeist unscheinbare Färbungen sowie gestreckte, spindelförmige Körperformen zu nennen. Zusätzlich sind die Caudalis, meist auch die Pectoralen sehr kräftig gebaut während die Ventralen oftmals stützende Funktion beim ruhigen liegen auf dem Boden besitzen.
      Rheophilie ist auf keinen Fall als taxonomisches Kriterium zu betrachten oder als Hinweis auf besondere Verwandtschaften zwischen bestimmten Gattungen, sondern sie ist durchaus bei Cichliden in verschiedenen Gattungen vorzufinden die keine verwandtschaftlichen Beziehungen zueinander besitzen. Sie ist eine reine Anpassung an besondere Umgebungsbedingungen. Ich möchte hier auch darauf hinweisen, dass in Südamerika ebenfalls einige Arten zu finden sind, die als rheophil zu bezeichen sind (in den Gattungen Retrocolus und Teleocichl und Crenicichla). Auch ist eine Reihe von Arten der Gattung Orthochromis in ostafrikanischen Flüssen beheimatet (leider aber im Hobby derzeit nicht verfügbar).

      Bezüglich der Verwandtschaftsgruppen sind die west- und zentralafrikanischen Arten bzw. Gattungen bereits gut definiert: Bei Lamprologus ist es sowieso schon lange klar und der Gattungsname sagt auch schon alles notwendige aus, Orthochromis und Schwetzochromis gehören zu den haplochrominen Cichliden, Steatocranus und Gobiocichla zu den tilapiinen Cichliden und Teleogramma schließlich zu den Chromidotilapiinen.

      Aquaristisch besitzen die rheophilen Cichliden Afrikas leider noch immer eine ziemlich geringe Bedeutung. Sie sind bis auf wenige Ausnahmen (vor allem Steatocranus casuarius) kaum bis gar nicht in der Aquarienhaltung vorzufinden. Dabei sind sie aber zumeist problemlose Pfleglinge, die auch bei Wasserwerten, die nicht ganz den natürlichen Bedingungen entsprechen, leicht zu pflegen und auch meistens zu züchten sind. Weiters sind sie bezüglich ihrer Verhaltensweisen ausgesprochen interessante Pfleglinge. Vorsicht ist bei der Mehrzahl der Arten lediglich in der Ernährung geboten, die am Besten ballaststoffreich und nie zu üppig sein sollte. Dies gilt natürlich ganz besonders für Arten, die sich in der Natur überwiegend von pflanzlicher Kost ernähren (z.B. Orthochromis stormsi oder Gobiocichla ethelwynnae) und dadurch im Aquarium bei zu starker oder fettreicher Fütterung zu Krankheiten neigen bzw. dann nur extrem kurzlebig sind.
      Im Sinne der oben genannten Darstellungen sind folgende Gattungen der Gruppe zuzuordnen:

      Lamprologus SCHILTHUIS 1891, mit den Arten L. congoensis SCHILTHUIS, 1891; L. lethops ROBERTS & STEWART, 1976; L. mocquardi PELLEGRIN, 1903; L. symoensi POLL, 1976; L. teugelsi Schelly & Stiassny, 2004; L. tigripictiulis Schelly & Stiassny, 2004; L. tumbanus BOULENGER, 1899 und L. werneri POLL, 1959; alle aus dem Zaire - River – System. Es gibt auch noch einige weitere unbeschriebene Arten, die aber bisher nur aus wissenschaftlichen Aufsammlungen bekannt und noch nie lebend eingeführt worden sind.
      Die rheophilen Arten der Gattung Lamprologus wurden lange Zeit als die wahrscheinlich ursprünglichsten Vertreter der Gattung betrachtet, DNA-Vergleiche lassen aber vermuten, dass diese Arten mit größter Wahrscheinlichkeit von Vorfahren aus dem Tangajika-See abstammen dürften und somit Einwanderer in den Flußsystemen wären.
      In der Aquaristik ist nur L. congoensis – übrigens die Typusart der ganzen Gattung – gut und regelmäßig vertreten. Zwar tauchen in den Handelslisten manchmal auch andere Artnamen auf, meistens aber ist es dann doch immer nur L. congoensis, der tatsächlich im Bestand ist. Einzelne Tiere der anderen Arten wurden nur zufälligerweise, oft nicht erkannt, eingeführt. Allerdings gelang es einem belgischen Aquarianer vor ca. 2 Jahren, endlich eine weitere Art aus dem Kongo, aus der Region von Kisangani, einzuführen und mittlerweil über Nachzuchten zu verteilen, nämlich L. mocquardi, so dass jetzt endlich doch eine zweite Art verfügbar ist.

      Steatocranus BOULENGER 1899, mit sieben beschriebene Arten aus dem Zaire - River – System: S. bleheri Meyer, 1993; S. casuarius POLL, 1939; S. gibbiceps BOULENGER, 1899; S. glaber ROBERTS & STEWART, 1976; S. mpozoensis ROBERTS & STEWART, 1976; S. rouxi (PELLEGRIN, 1928); S. tinanti (POLL, 1939); S. ubanguiensis ROBERTS & STEWART, 1976; , nur eine Art – „Steatocranus“ irvinei (TREWAVAS, 1943) stammt aus Ghana, aus dem Gebiet des Volta (und ist aller Wahrscheinlichkeit kein Angehöriger dieser Gattung, daher das setzen des Gattungsnamens unter Anführungszeichen).

      Weiters sind eine Reihe noch unbeschriebener Arten in den letzten Jahren bekannt geworden:, S. sp. „Kisangani“, S. sp. „Squarehead“ (teilweise mit S. mpozoensis verwechselt), S. sp. „Dwarf“ (manchmal falsch als S. ubanguiensis abgebildet), S. sp. „Bulky Head“ (manchmal falsch als S. glaber abgebildet), S. sp. „Red Eye“ und S. sp. „Nki“ aus Kamerun.
      Regelmäßig im Hobby vertreten sind S. casuarius, S. gibbiceps, S. tinanti, S. irvinei und seit ein paar Jahren auch S. sp. „Red Eye“, selten S. bleheri, S. rouxi, S. sp. „Squarehead“ und S. sp. „Dwarf“. Die anderen Arten sind wohl noch nie in Gefangenschaft gehalten worden. Die Arten dieser Gattung sind wohl die am skurrilsten aussehenden rheophilen Buntbarsche, vor allem die Männchen mit ihren oft extrem ausgebildeten Höckern am Kopf sind ein wahrhaft faszinierender Anblick. Mangelnde Färbung wird hier durch die Formen bei weitem mehr als wettgemacht.
      Teleogramma BOULENGER, 1899 mit vier Arten aus dem Zaire - River - System: T. brichadi POLL, 1959; T. depressum ROBERTS & STEWART, 1976; T. gracile BOULENGER, 1899; T. monogramma (PELLEGRIN, 1928). Erstgenannten Arten tauchen immer wieder im Hobby auf, konnten sich aber bis jetzt noch nicht wirklich gut etablieren. Die beiden anderen arten wurden noch nie lebend eingeführt.

      Gobiocichla KANAZAWA, 1950 mit zwei Arten aus dem Bereich des Nigers (im weitesten Sinn): G. ethelwynnae ROBERTS, 1982; G. wonderi KANAZAWA, 1950. Beide arten kommen selten, aber doch in den Handel, sind aber nur gering verbreitet. G. ethelwynnae konnte noch nie nachgezüchtet werden.

      Orthochromis GREENWOOD, 1954 mit mehrere Arten aus dem Bereich des Zaire – Rivers, z.B.O. stormsi (BOULENGER, 1899); O. kalalungwishiensis (GREENWOOD & KULLANDER, 1994); O. luongoensis (GREENWOOD & KULLANDER, 1994) sowie mehrere aus ostafrikanischen Flüssen bekannten (z.B. im Bereich von Tansania, z.B. O. malagaraziensis (DAVID, 1937) und einer Art aus dem südwestlichen Afrika, nämlich O. machadoi (Poll, 1967). Gelegentlich erhältlich ist wohl nur O. stormsi. O. machadoi konnte vor einigen Jahren ebenfalls eingeführt werden, aufgrund der hohen innerartlichen Aggressivität und generell schwieriger Haltung dürfte diese Art aber in Europa wohl wieder verschwunden sein. Wahrscheinlich gehört diese Art auch gar nicht zur Gattung Orthochromis.

      Alle anderen Arten dieser Gattung waren entweder nie im Hobby oder nur für sehr kurze Zeit und in nur sehr wenigen Exemplaren.
      Schwetzochromis POLL 1948 mit einer Art aus Zaire, S. neodon POLL 1948. Diese Art ist vor ca. 20 Jahren erst- und einzigmalig eingeführt worden und monentan wohl nur noch in Frankreich in einigen Exemplaren verfügbar, wo versucht wird, die Bestände wieder aufzubauen.
      In ihrer Lebensweise sind einige Arten noch recht gute und lebhafte Schwimmer, z.B. Schwetzochromis neodon oder Steatocranus irvinei. Im Regelfall halten sich die Tiere bei den meisten Arten jedoch bevorzugt in strömungarmen und gut geschützen Bereichen, meist auf dem Boden liegend, auf und bewegen sich eher ruckartig und stoßweise durch Freiwasserregionen.

      Aus dem Freiland sind bisher nur wenige Daten zu allen diesen Arten bekannt geworden, so daß das Wissen über ihre Biologie ein sehr spärliches ist und überwiegend auf Gefangenschaftsbeobachtungen beschränkt ist. Es ist hier also sicher noch ein weites Betätigungsfeld - sowohl für aquaristisch wie auch wissenschaftlich Interessierte gegeben.
      In der Ernährung sind Generalisten genauso bekannt wie spezialisierte Mollusken- (Steatocranus gibbiceps) oder Algenfresser (Gobiocichla ethelwynnae). Überwiegend dürfte es sich aber um Allesfresser handeln, mit einer stärkeren Gewichtung auf Kleinorganismen (Insektenlarven, Krebstiere) und vor allem Aufwuchs. Aus diesem Grund empfehle ich, wie weiter oben bereits genannt, ballaststoffarme Nahrung im Aquarium wie auch eher kleine Futtermengen pro Tag.

      Was Wasserwerte betrifft, ist die Haltung fast aller Arten ist relativ leicht. Auch wenn die natürlichen Gewässer weich, mit etwa neutralem pH-Wert sind, so konnte ich selbst schon viele Arten in hartem Leitungswasser (ca. 20 °DGH) bei pH-Werten von ca. 8,0 nachzüchten. Nur bei Teleogramma-Arten musste ich weicheres Wasser (bis max. 5 °DGH) mit neutralem oder ganz leicht saurem pH_Wert anbieten, um erfolgreich zu sein.

      Generell empfehlenswert sind auf jeden Fall möglichst große Aquarien, mit vielen Verstecken für unterlegen Exemplare. Eine gute Filterung, die aber nicht unbedingt eine starke Strömung zu erzeugen braucht, ist jedoch ein Muss.

      Bezüglich der Brutbiologie sind die meisten der Arten, soweit sie bisher nachgezüchtet werden konnten, paarbildende und höhlenbrütende Arten mit monogamen Strukturen (Gobiocichla, Lamprologus, Teleogramma, Steatocranus), bei denen das Weibchen den bei weitem größeren Anteil an der Brutpflege haben. Männchen übernehmen meist nur die Revierverteidigung und sind kaum bis gar nicht an Gelege-, Larven- und Jungfischbetreuung beteiligt. Die Jungen werden aber immer akzeptiert und nicht gejagt. Bei manchen Arten der Gattung Steatocranus wird vereinzelt in aquaristischen Publikationen von leichten Tendenzen zur Haremsbildung berichtet (z.B. bei S. tinanti), was ich aber durch eigene Beobachtungen bisher nicht bestätigen kann.

      Die Gattungen Orthochromis und Schwetzochromis bieten - wie schon ihre Zuordnung zu den Haplochrominen vermuten läßt - eine wesentliche Abweichung zu den anderen Gattungen: Hier sind alle bisher nachgezüchteten Arten als agame ovophile Maulbrüter anzusehen, genau so wie die Haplochromis-artigen Cichliden aus dem Victoriasee oder Malawisee. Das Ablaich- und Brutpflegeverhalten bei dieser Gattung ist analog dem anderer haplochrominer Cichliden. Die Dauer der Maulbrut beträgt ca. drei Wochen, nur bei O. machadoi ist sie mit zwei Wochen deutlich kürzer. Dann werden die Jungen das erste Mal aus dem Maul entlssen und für etwa eine Woche noch betreut. Anschließend erlischt der Brutpflegetrieb des Weibchens.

      Ein absoluter Sonderfall in der Spezialisierung der rheophilen Cichliden ist Lamprologus lethops: Diese Art ist der bisher einzige bekannte blinde Cichlide. Leider konnte diese Art noch nie in Gefangenschaft vorgefunden werden. Es wurden insgesamt nur die beiden Typusexemplare aufgesammelt, bei allen anderen wissenschaftlichen Aufsammlungen in der Region konnte diese Art bisher leider nicht nochmals gefunden werden.
      Bei der Gattungen Steatocranus haben, wie bei der Aufzählung der Arten ersichtlich, aquaristische Importe und wissenschaftliche Aufsammlungen der letzten Jahre gezeigt, daß offensichtlich noch eine Reihe unbeschriebener Arten rheophiler Cichliden in den Flüssen West- und Zentralafrikas existiert. Es ist auch zu erwarten, daß bei künftig vielleicht doch wieder einmal vorhandenen besseren Möglichkeiten, den Bereich des Zaire - Rivers der Demokratischen Republik Kongo (vormals Zaire) zu untersuchen (die Situation aufgrund der politischen wie auch sozialen Verhältnisse noch immer äußerst problematisch) noch weitere Funde wie auch Erkenntnisse zu diesen Gattungen gemacht werden können.

      Ich möchte auch nicht ausschließen, dass es in ganz anderen Regionen als den Kongo-Staaten noch weitere rheophile Arten gibt. Das Gebiet ist groß, die Erforschung in weiten Bereichen noch immer unzureichend. Lassen wir uns also überraschen, was die Zukunft noch bringen mag.


      Die Cichlidenwelt bedankt sich bei Anton Lamboj für die Freigabe des Artikels
      Gruß Oliver


      Niveau ist keine Creme und Stil auch nicht das Ende vom Besen und Humor ist etwas Gutartiges
      mir fehlen zum Schweigen manchmal einfach die passenden Worte ....


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    • Hallo

      ergänzend haben wir heute für den Bericht die Bilder der Tiere von Anton Lamboj erhalten.

      Danke dafür.
      Bilder
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      • CW_ctenochromis polli.jpg

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      • CW_lamprologus congoensis.jpg

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      • CW_teleogramma brichardi.jpg

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      • CW_tilapia tholloni.jpg

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      Gruß Oliver


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