Angepinnt Mbuna – NonMbuna

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    • Mbuna – NonMbuna

      Hallo
      Woher kommen diese Begriffe?
      Der Begriff Mbuna kommt aus dem Afrikanischen, genauer aus einer der Sprachen die am Malawisee gesprochen werden. Mit Mbuna wurden von den Fischern die kleinen Fische bezeichnet, die nahe der Felsen leben.
      Diese Fische waren für die Fischer uninteressant, weil sie einfach zu klein sind. (Warum 100 kleine Fische fangen, wenn man in der halben Zeit das gleiche Gewicht an großen Fischen bekommen kann :D )
      Die Fischer haben sich natürlich auch nicht um biologische Aspekte wie Gattungszugehörigkeit oder Abstammung interessiert. Die Unterscheidung der einzelnen Arten hat es bei ihnen auch nicht gegeben und entsprechend wurde sich auch nicht um die Ernährung der Arten gekümmert.
      Irgendwann wurde der Begriff Mbuna dann mal von „Ichthyologen“ für eine Reihe von Gattungen übernommen. Wenn die eine Gruppe die Mbuna sind, dann muss es auch einen Namen für den Rest geben. Dafür wurde zum Glück nicht noch ein Wort aus dem Afrikanischen bemüht. Man hat es sich einfacher gemacht und diese Gattungen als NonMbuna bezeichnet.
      Diese beiden Begriffe wurden dann von den Aquarianern übernommen.
      Irgendwann sind dann auch mal einige Aquarianer auf den Trichter gekommen, dass ein Aquarium nicht das Gleiche ist wie einer der größten Seen der Erde. Man kann also nicht einfach alle Fischarten aus dem See in einem Becken halten. Wie also eine Unterteilung schaffen? Gattungen konnten es nicht sein, da man ja einige Gattungen problemlos kombinieren kann. Außerdem wäre das ja viel zu anstrengend, bei den sich ständig ändernden Gattungsnamen.
      Da gab es doch noch diese grobschlächtige Einteilung, bei der mehrere Gattungen zusammengefasst wurden. Na dann nehmen wir mal die. :D
      Zur großen Freude passte das auch mit den bekanntesten Inkompatibilitäten zusammen.

      So weit so gut (oder schlecht).
      Was wurde bei dieser Vorgehensweise vergessen, übersehen oder ignoriert?
      Gattungseinteilungen gelten immer nur bis zur nächsten Änderung.
      In den Gattungen werden auch Fische mit recht unterschiedlichen Bedürfnissen zusammengefasst.

      Zusammenfassung: Die Grundeinteilung war unscharf und aus aquaristischer Sicht unbrauchbar. Was daraus gemacht wurde, hat zwar die ursprüngliche Einteilung nicht verbessert, aber neue Unschärfen in den Begriff gebracht.
      Durch die Zuordnung von ganzen Gattungen wurden nicht nur die Ernährungsbedürfnisse vernachlässigt, sondern auch das Habitat nicht mehr berücksichtigt.

      Beispiele:
      Sciaenochromis fryeri
      lebt in den Felsen, wäre also nach dem klassischen Begriff ein Mbuna, ernährt sich aber rein carnivor und kann Pflanzenkost nicht verdauen. Sciaenochromis sind NonMbuna

      Protomelas taeniolatus
      Lebt ebenfalls in der Felszone und frisst vom sedimentbedeckten Aufwuchs. Auch wenn er dort nach Kleinkrebsen sucht, so stellen Kieselalgen doch einen grossen Teil seiner Ernährung.
      Protomelas sind aber NonMbuna.

      Astatolipia calliptera
      Eine der wenigen nicht endemischen Cichlidenarten im See. Bevorzugt den Felsbereich und ist ein echter Omnivore. Auch diese Gattung wurde nicht zu den Mbuna gezählt.

      Melanochromis loriae (chipokae)
      Das ist jetzt mal ein Mbuna. Die Art ernährt sich von kleinen Fischen (Jungfischen) ist also ein Räuber. Außerdem lebt er auch in der Übergangszone, also nicht nur an den Felsen.
      Das Gleiche trifft noch auf einige andere Melanochromisarten zu.

      Cynotilapia afra
      Auch ein Mbuna. Diese Art ernährt sich von Kleinkrebsen und Plankton. Nur ältere Männchen fressen auch direkt den Aufwuchs um ihre Höhle. Dabei ist es aber nicht klar, ob dies nicht eher ein Putzen ist. Die Art lebt also carnivor.

      Labidochromis caeruleus
      Diese Art (Labidochromis wird zu den Mbuna gezählt) pickt Kleinkrebse aus dem Aufwuchs und frisst auch sehr gerne kleine Schnecken.

      Melanochromis labrosus
      Mit seinen Wulstlippen ertastet dieser Fisch die Kleinkrebse im Aufwuchs. Er hat damit die gleiche Ernährungsweise wie Eclectochromis ornatus oder Ecle. „labrosus“.
      Eclectochromis soll kein Mbuna sein, Melanochromis aber schon.


      Diese Auflistung ließe sich wohl noch eine Weile fortsetzen.

      Was bringt also eine Unterteilung, wenn sie so unscharf ist?
      Was bringen Regeln wie: „keine Mbuna mit NonMbuna zusammen halten!“ wenn es haufenweise ausnahmen gibt?
      Diese Begriffe und Regeln sind keine Hilfe. Sie dienen eigentlich nur dazu, Unklarheit zu stiften.
      Darum Verwende ich diese Begriffe nicht.
      Ich halte schon sehr erfolgreich Mbuna und NonMbuna seit mehreren Jahren zusammen. Nicht Wahllos, aber das klappt ja auch nicht, wenn man die Gruppen trennt.

      Wie sollte dann eine Unterteilung aussehen bzw. benannt werden um gerade Grundsätzliches an den Mann/Frau zu bringen ?
      Die Unterscheidung und Zuordnung sollte nur auf Basis der Haltungsbedingungen erfolgen.
      Mir ist klar, dass dies für Anfänger nicht einfach ist. Das Leben ist nun mal kein Ponnyhof. :D
      Gruss
      Jan

      Twitter is eine typische Erscheinung der Generation ADS & SMS. Für einen Brief zu faul, für einen kompletten Satz zu dumm und für korrekte Grammatik zu cool.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von all chromis ()

    • RE: Mbuna – NonMbuna

      Hallo Jan,

      grundsätzlich kann ich deine Aussage unterstreichen.
      Unterstützend zwei Zitate von Andreas Spreinat und Ad Konings.

      [...] So eindeutig der Begriff "Mbuna" eine bestimmte Gruppe von Cichliden beschreibt, so schwer ist es, leicht nachvollziehbare Kriterien zu benennen, mit deren Hilfe man einen Mbuna erkennen kann. [...] Ganzheitlich betrachtet ist es einfach, einen Mbuna von einen Nicht-Mbuna zu unterscheiden. Hierzu genügt die Erfahrung zu wissen, wie ein "Mbuna" aussieht. [...]
      Spreinat, Andreas: Malawisee-Cichliden aus Tansania, Göttingen 1994, Seite 157

      [...] Überraschenderweise können sich jedoch alle speziallisierten Arten problemlos auf fast jede Futterquelle umstellen, die erschöpfbar ist. Während de häufik vorkommenden Planktonblühte sammeln sich Arten mit den unterschiedlichsten Nahrungsspezialisierungen im offenen Wasser, um Plankton zu fressen. [...] Untersucht man den Mageninhalt von frrischgefangenden Buntbarschen, kann man eine überraschende Ähnichkeit feststellen, egl um welche Art und Nahrungsspezialisierung es sich jeweils handelt.
      Konings, Ad: Malawicichliden in ihrem natürlichen Lebensraum, Cichlid Press, El Paso 2001, Seite 14
      Gruß Christian
    • RE: Mbuna – NonMbuna

      Original von Maylandia
      Hallo Jan,

      grundsätzlich kann ich deine Aussage unterstreichen.
      Unterstützend zwei Zitate von Andreas Spreinat und Ad Konings.

      [...] So eindeutig der Begriff "Mbuna" eine bestimmte Gruppe von Cichliden beschreibt, so schwer ist es, leicht nachvollziehbare Kriterien zu benennen, mit deren Hilfe man einen Mbuna erkennen kann. [...] Ganzheitlich betrachtet ist es einfach, einen Mbuna von einen Nicht-Mbuna zu unterscheiden. Hierzu genügt die Erfahrung zu wissen, wie ein "Mbuna" aussieht. [...]
      Spreinat, Andreas: Malawisee-Cichliden aus Tansania, Göttingen 1994, Seite 157

      [...] Überraschenderweise können sich jedoch alle speziallisierten Arten problemlos auf fast jede Futterquelle umstellen, die erschöpfbar ist. Während de häufik vorkommenden Planktonblühte sammeln sich Arten mit den unterschiedlichsten Nahrungsspezialisierungen im offenen Wasser, um Plankton zu fressen. [...] Untersucht man den Mageninhalt von frrischgefangenden Buntbarschen, kann man eine überraschende Ähnichkeit feststellen, egl um welche Art und Nahrungsspezialisierung es sich jeweils handelt.
      Konings, Ad: Malawicichliden in ihrem natürlichen Lebensraum, Cichlid Press, El Paso 2001, Seite 14




      :top: sehr gute Zitate Christian,

      Leider sind gerade die beiden aber auch daran beteiligt das einige bis zum Sankt Nimmerleinstag rezitieren werden das Mbuna und Nonmbuna nicht gemiensam gehen wegen den zu verschiedenen Ansprüchen :D
      :wink: Peter

      :Vic: :mala:

      Gabis Site
    • RE: Mbuna – NonMbuna

      Original von Maylandia
      [...] Überraschenderweise können sich jedoch alle speziallisierten Arten problemlos auf fast jede Futterquelle umstellen, die erschöpfbar ist. Während de häufik vorkommenden Planktonblühte sammeln sich Arten mit den unterschiedlichsten Nahrungsspezialisierungen im offenen Wasser, um Plankton zu fressen. [...] Untersucht man den Mageninhalt von frrischgefangenden Buntbarschen, kann man eine überraschende Ähnichkeit feststellen, egl um welche Art und Nahrungsspezialisierung es sich jeweils handelt.
      Konings, Ad: Malawicichliden in ihrem natürlichen Lebensraum, Cichlid Press, El Paso 2001, Seite 14

      das haengt natuerlich auch etwas von den einzelnen Arten ab. auch wenn die Tiere das "unpassende" Futter fressen, so heisst dies ja nicht, dass sie es wirklich verwerten koennen.

      Der Darm von vielen Raeubern ist einfach zu kurz um Pflanzenmaterial und besonders Kieselalgen aufzuschliessen. Fuettert man zb. Sci. fryeri dauerhaft mit stark pflanzenlastigem Futter, so magern die Tiere ab und das obwohl sie sehr viel Fressen.
      Maylandias neigen zur Verfettung wenn sie zuviel eiweissreiches Futter bekommen.
      Die Algenblueten im See sind ja auch nicht lange und danach kehren die Tiere ja zu ihrer normalen Ernaehrungsweise zurueck.
      Gruss
      Jan

      Twitter is eine typische Erscheinung der Generation ADS & SMS. Für einen Brief zu faul, für einen kompletten Satz zu dumm und für korrekte Grammatik zu cool.
    • Hi!

      @Jan: Sehr gut und informativ geschrieben! :top:

      Was Spreinat und Konings angeht, so haben sie meinen höchsten Respekt als Fischkundler! Wie man hört treibt sich Konings mittlerweile 3-4 mal im Jahr am Malawisee rum, um zu fotografieren und Arten zu beschreiben, da sollte man sich auch schon auskennen :]
      Was die aquaritische Seite der beiden angeht, so konnten sie mich bisher nicht wirklich überzeugen. :rolleyes:

      Gruß
      Marcus