Faunenverfälschung

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  • Faunenverfälschung

    Hallo alle miteinander,

    ich möchte heute auf ein Thema aufmerksam machen, dass auf der Welt immer mehr zum Problem wird.
    Da wir hier im Mittelamerikaner Forum sind, möchte ich ein Beispiel aus Honduras zeigen und darüber kurz berichten.
    Auf unserer Reise 2005 in Honduras kamen wir an einem Fischzuchtbetrieb vorbei. Aufmerksam geworden waren wir durch die vielen Fischreiher und Rabengeier die sich dort an Teichen vesammelt hatten. Wir machten also auf der Straße kehrt und wollten uns das doch genauer anschauen.
    Am Eingang zu einem riesigen umzäunten Grundstüch stand ein großes Schild - Tilapia vende - Tilapia zu verkaufen. An der Pforte fragten wir ob wir die Anlage besichtigen können. Es kam sofort ein Mann von der Geschäftsleitung und führte uns freundlich durch das ganze Areal von großen und kleineren Teichen. Jetzt zeigte sich erst die Größe dieser Anlage. Teiche an Teiche soweit das Auge reichte. Das Wasser wird mittels riesiger Pumpen aus dem Rio Guayape, der direkt daneben fließt herausgepumt und in die Teiche geleitet. Bei einer Reinigung der Wasserbecken fließt das Wasser natürlich wieder in den Fluß zurück. Gelangen dann auch Tilapien in den Fluß, fragten wir uns.
    Fünf bis sechs Millionen Kilogramm Tilapien werden hier jedes Jahr produziert und im ganzen Land verteilt. Der Fisch ist eine wichtige Proteinquelle für die Bevölkerung. Die Fische werden überwiegend mich Mais und einem bestimmten Kraftfutter ernährt.
    Die Tilapien oder sind es Sartherodon, da kenne ich mich so genau aus, werden mit großen Netzen gefangen. Man kan sie dann lebend oder schon geschlachtet und filetiert kaufen.
    Uns interssierte dann natürlich brennend die Frage, gibt es im Fluß auch Tilapien. Am Fluß angekommen sahen wir schon vom Ufer aus große Laichkrater von diesen Cichliden. Es dauerte nicht lange dann konnten wir sie auch unter Wasser sehen.
    Diese Kosmpoliten unter den Fischen die in ganz Mittelamerika ausgesetzt wurden fanden wir in Hondurdas in fast jedem Fluß. Sie bedrohen die einheimische Fischflauna sehr stark. Hier im Rio Guayape leben Astatheros longimanus und Archocentrus nigrofasciatus, außerdem Parachromis motaguensis. Wir fanden zwar einzlne Paare doch war die Fischdichte eher gering.
    Dies war nur ein kleiner Ausschnitt aus Honduras, man könnte das Beisspiel aber leider aus jedem mittelamerikanschen Land bringen. Besonders stark besiedelt werden größe Seen und Teiche, dagegen kommen sie in stark strömenden Flüssen nur sporadisch vor.
    Dies ist ein weiterer Punkt warum Arterhaltungsprogramme in Zukunft immer wichtiger werden!!!

    Die Bilder zeigen: 1 - Rio Guayape 2 - rechten Hälfte des Bildes sieht man den Kanal der zur Fischzucht führt, dahinter das Areal. 3 - einige Teiche der Fischzucht 4 - in Körben werden die frischgefangenen Fische angeliefert zum Wiegen. 5 So kann man sie kaufen - schmecken tun sie nicht schlecht.

    Schönen Gruß
    Jochen
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  • Ups, die anderen Bilde sind verschwunden, vieleicht gehts ja jetzt.
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  • hi Jochen
    Danke für die Informationen. Sie regen schon zum Nachdenken an und machen Überlegungen breit, ob ein Arterhaltungsprogramm außerhalb des Landes reichen mag. ?( Aber auch denke ich, dass einen irgendwo dann doch Grenzen gesetzt werden und die Hände gebunden sind, schade
    Wenn zwei das Gleiche tun,
    ist es noch lange nicht das Selbe. ;)
    tschö, klaus
  • RE: Faunenverfälschung

    Hallo Jochen,

    ein Thema, das leider nicht nur auf die mittelamerikanische Landbrücke beschränkt ist. Die Faunenverfälschung findet leider weltweit statt und macht auch vor unserer Haustüre nicht halt ( z.B. Waschbären in Deutschland, da kommt sie sogar ins Haus :D ).

    Gruß
    Dieter
    Gruß
    Dieter

    :mitt:


  • Hi Klaus,

    Arterhaltungsprogramme so wie wir eins gestartet haben können nur versuchen die Aquarienpopulationen zu erhalten.
    Wünschenswert wären natürlich Projekte die die natürlichen Habitate schützen. Aber ich glaube das ist noch ein weiter Weg.
    Doch es gibt ansatzweise so was wie Artenschutz - darüber ein andermal mehr :wink:

    Gruß
    Jochen
  • Hi

    und muß nicht mal direckt vom Mensch verursacht worden sein ...

    Aktuell tummeln sich Südeuropäische SüßwasserGarnelen im Süd-Westen Deutschlands herrum ... scheind warm genug zusein für sie ...

    oder hier im Osten ... es ist die ArmurGrundel nach gewiesen worden in der Oder ... also nur noch eine Frage der Zeit bis dieser "Müllschlucker"(frisst alles was es überweltigen kann bis zur hälte ihrer eigenen größe ... und das schlimmste ist hier ist es so warm für sie das sie ohne weiteres mehere Brutzeiten im Jahr haben kann) ... auch den Rest von Deutschland erobert hat ... zumal sie auch Salztolerant ist sprich ausflüge ins Brackwasser(Ostsee) für sie kein Problem darstellen ...
    Lobt dich der Gegner, dann ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg.
    (August Bebel)

    gruß rudy :wink:
  • RE: Faunenverfälschung

    Hallo,


    ...und bereits 1999 fanden wir etwas vergleichbares in Suedostmexiko. Auch hier werden etwa 7-8 Millionen Fische pro Jahr produziert, aber zum Glueck gab es damals neben den Tilapien noch einige Mittelamerikaner, vor allem urophthalmus und bifasciata. :(

    Diverse Fischfarmen aehnlicher Art finden sich verstreut in Suedamerika und auch in Suedostasien. ;(

    Z.B. werden im Norden Thailands Tigerspatelwelse, Rotflossenwelse und Saugwelse in grossen Teichen nachgezogen, auf Bali findet man schoene Oskars, etc... X(

    Gut, dass es bei uns (noch) nicht so warm ist, sonst haetten wir sie bald auch hier in unseren Gewaessern. ?(
    Viele Grüße,
    Mr. Dovii
    buchhauser-peter.de

    :mitt:
    Großcichliden









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    Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut! - Perikles
  • Hallo zusammen,

    ich hatte schon von anderen Reisenden Aquarianern gehört das im Rio Nututun Segelschilderwelse ausgesetzt worden sind.
    Anlässlich meiner Mexikoreise wollte ich das natürlich mit eigenen Augen sehen.
    Ich verbrachte 2 Tage am Rio Nututun, davon fand der erste Besuch nach einem Regentag statt. Das Wasser war noch etwas trübe und hatte nur eine Temperatur von 22 Grad. In Ufernähe sah ich zuerst garkeinen Wels, erst als ich in tiefere Regionen vordrang sah ich sie - hunderte Welse lagen auf dem Steinboden. Fast regungslos lagen sie in Spalten und unter Überhängen versteckt. Je tiefer das Wasser wurde um so größer wurden die Exemplare, die Größten so um die 60 cm. Wahrscheinlich behagte ihnen das an diesem Tag recht kühle Wasser nicht sonderlich.
    Am zweiten Tag meines Besuches war strahlender Sonnenschein, das Wasser kristallklar und deutlich wärmer. Im Uferbereich mass ich jetzt 26 Grad. Jetzt waren die Welse deutlich aktiver, in Scharen (tausende)weideten sie die Steine ab und stoben in großen Mengen davon, wenn ich ihnen zu nahe kam. Selbst die ganz großen Burschen "segelten" nun öfter durchs freie Wasser. Interessanter Weise hielten sich die Welse vorwiegend im ruhigeren Bereich des Flusses auf, in den strömungsreichen Abschnitten waren nur wenige zu finden. Es gelang mir auch mit wenig Mühe einige zu fangen und zu fotografieren. Ob diese eingeschleppten südamerikanischen Welse nun die heimische Fauna beeinträchtigen kann ich nicht beurteilen. Ich fand jedenfalls alle mir bekannten Cichliden in großen Mengen vor.
    Dennoch hat sich Habitat durch das Aussetzen der Welse für immer verändert.

    Gruß
    Jochen
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  • Hallo Jochen,

    es freut mich natürlich zu lesen das die Artenvielfalt an Cichliden im Rio Nututun noch so groß ist.
    Wenn man aber so ein Video sieht kann man fast nicht glauben dass die Welse keine Auswirkungen auf die ursprünglich vorkommenden Arten haben werden.
  • Hallo Christian,

    ich habe das Video schon vor der Reise gesehen, darum war ich ja sehr skeptisch was die urspüngliche Fischfauna betrifft.
    Doch das hat mich schon verwundert, dass ich soviele Cichliden, aber auch andere Fischgattungen gefunden habe.
    Ich konnte auch gut beobachten wie die Buntbarsche ihre Gelege und Brut gegen die großen Welse verteidigten. Sie hatten kein Problem diese auf Distanz zu halten. Selbst Thorichthys helleri konnten einen ausgewählten Laichplatz "Welsfrei" halten.
    Anscheinend kommen sie mit diesen fremden Fischen schon zurecht. Hoffentlich auch auf Dauer!
    Als Fressfeinde konnte ich einige Kormorane beobachten, die ich früher an diesem Fluss nie gesehen habe. Ob sie die Welse fressen konnte ich leider nicht beobachten, sie waren recht scheu.

    Gruß
    Jochen
  • Hi,

    wie ich mir schon dachte, nur eine Art, höchstwahrscheinlich L. multiradiatus, die gibt es auch auf z.B. Bali, in Thailand, etc.


    Sind wirklich sehr viele, aber mal abwarten, wenn der nächste Hurrikan niedergeht, da diese Loricariiden doch recht wärmebedürftig sind.

    Momentan darf man sie dort als etabliert einstufen und vermutlich auch im Rio Usumacinta. Damit ist die weitere Verbreitung besiegelt...
    Viele Grüße,
    Mr. Dovii
    buchhauser-peter.de

    :mitt:
    Großcichliden









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  • Hallo

    die Invasion der Welse finde ich auf einer Seite interessant auf der anderen Seite erschreckend.

    Die Aufnahmen sprechen auf jeden Fall für sich.
    Gruß Oliver


    Niveau ist keine Creme und Stil auch nicht das Ende vom Besen und Humor ist etwas Gutartiges
    mir fehlen zum Schweigen manchmal einfach die passenden Worte ....


    !



    Fliegenfischwelt
  • Hallo,
    ich kann das Vorkommen von P. pardalis(vermutlich dieser) bildlich sogar aus dem Rio Balsas belegen. Dies konnte ich mit erschrecken bei meiner Mexico-Reise feststellen.
    Dennoch haben wir den istlanum aus dem System mitbringen können.
    Weiter gab es da jede Menge nigros und einige Tilapien.
    Bilder
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  • RE: Faunenverfälschung

    Hallo Michael,

    das ist ja schier unglaublich, haben die den diese Welse in ganz Mexiko ausgesetzt :ups:
    Ich frage mich nur, was sollte damit bezweckt werden ?(

    Ich glaube auch nicht das es Pt. multiradiatus sind, die wie Peter schreibt wärmebedürfiger sind. Die 22 Grad an einem Regentag im Rio Nututun hatten ihnen auf jeden Fall nichts ausgemacht.

    Gruß
    Jochen
  • RE: Faunenverfälschung

    Hallo Michael,

    2006 haben wir noch nördlich des Catemaco-Sees keine Welse gesehen. Schon erschreckend wie rasch die sich ausbreiten! Habt Ihr noch weitere Fundstellen im Norden?
  • RE: Faunenverfälschung

    Hi,

    muß mich korrigieren, beide Arten sind Pterygoplichthys.

    P. paradlis und P. multiradiatus sind sich sehr ähnlich, ich kann sie jedenfalls niccht unterscheiden, zudem sind die meisten Fotos verwechselt/unrichtig.

    Trotzdem wurden diese Welse (eine oder beide Arten) auf Hawaii, in Indonesien, in Thailand und vermutlich in etlichen anderen tropischen Ländern ausgesetzt.
    Warum? Ich sehe keinen Sinn darin.

    Frank Angermann traf allerdings 2007 in Mexiko eine amerik. Ichthyologin und hat mit ihr darüber gesprochen. Irgeneinen Grund hat es...
    Viele Grüße,
    Mr. Dovii
    buchhauser-peter.de

    :mitt:
    Großcichliden









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  • Hi,

    ich hoffe es kommen noch mehr Bilder von der Reise, Michael :)

    Mich würde auch mal die allgemeine Auswirkung von diesen Neozoa auf die mittelamerikanischen Flüsse / Seen interessieren, in Madagaskar sollen die Tilapien ja einen immensen Schaden angerichtet haben.

    Will ja in 1-2 Jahren und von da an auch öfter solche Reisen machen, nicht das die Gewässer dann auch noch Channa